Malaysia, das ist ein orientalisches Juwel mitten im Herzen Süd-Ost-Asiens. Dort bietet sich ein ungewohnter Anblick:  One Malaysiahübsche Asiatinnen mit farbenfrohen, brillantenbesetzten Kopftüchern und in passend schicke Tuniken gekleidet. Die Männer flitzen mit schwarzem Songkok auf dem Kopf und Moped unterm Hintern durch die Straßen. Auch die Ohren sind leicht verwirrt. Anstatt asiatischer Klänge hört man an jeder Ecke Musik, die sehr an Nordafrika erinnert. Und gleichzeitig findet man gleich neben den majestätischen Moscheen auch wundervolle chinesische und hinduistische Tempel. In jeder Stadt gibt es ein bebendes Chinatown und ein von Bollywood-Musik tönendes Viertel, das Littel India genannt wird. Auf den ersten Blick scheint es, als lebten all diese Kulturen harmonisch miteinander. Das Symbol für ein gemeinsames Malaysia ist eine große 1 mit der malaiischen Flagge. „One Malaysia“.

Es gibt drei große Volksgruppen, die auf malaiischem Boden leben. Die Unterschiede ihrer Kulturen, Religionen, Traditionen und Sprachen könnten stärker kaum sein. 61,4 % von ihnen sind Bumiputra, muslimische Malaien und malaiische Ureinwohner; 23,7 % sind Chinesen, zumeist Buddhisten; 7,1 % sind Inder, welche vor allem aus Tamil stammen und hauptsächlich Hindus sind. Die Sprache der Malaien ist Bahasa Melayu, die Chinesen sprechen neben Kantonesisch und Hochchinesisch noch weitere Dialekte und die Sprache der Inder ist Tamil. Aber ganz so einfach ist es nicht. In Malaysia werden insgesamt über 140 Sprachen und Idiome gesprochen. Auf Grund der britischen Kolonialzeit ist Englisch für viele die zweite Sprache.

1 Tamil-Tempel in MalaysiaCheng hoon teng - Malaysias 1ter chinesischer TempelMoschee Masjid Jamek in Malaysia

Solch eine bunte Mischung, welche schon seit Jahrhunderten besteht, hat auch die Menschen auf ganz besondere Weise geprägt. Das macht sich auch in der abwechslungsreichen Küche bemerkbar. Egal, ob malaiisch, chinesisch, indisch, indo-malaiisch und chinesisch-malaiisch (Baba-Nonya), langweilig schmeckt es nie. Wir haben auch die Malaien alle als sehr offen empfunden. Die als reiche Händler geltenden Chinesen, die muslimischen Malaien und die Inder mit ihren starken Blicken, alle haben sich stets über ein kleines Gespräch gefreut, waren auf uns Ausländer neugierig und in keinem anderen Land Asiens ist es uns so leicht gefallen, liebe Menschen kennen zu lernen.

In 1Malaysia lieben es die Menschen drausen zu essen

Aber neben den Unterschieden der Kulturen gibt es auch soziale Schwierigkeiten. Die Ungleichverteilung des Wohlstandes wiegt dabei am schwersten. Die Chinesen machen nur ca. ein Drittel der Bevölkerung aus, haben aber gut 90% des Geldes in Besitz. Das führte schon 1969 zu Aufständen der Malaien, die sich von den mächtigen chinesischen Händlern benachteiligt sahen. So entwickelte die Regierung eine Politik, um für einen Ausgleich zu sorgen und den Frieden zu wahren. Es wurde ein Paket von Quoten und Bevorzugungen, die Bumiputra-Politik, beschlossen, welches noch bis heute Bestand hat. Damit können Bumiputra zum Beispiel günstiger Eigentumshäuser erwerben, werden bei der Vergabe von Aufträgen begünstigt oder bekommen bessere Staatsanleihen. Diese Bevorzugung führt natürlich wiederum bei den Chinesen zu Missmut und auch dazu, dass sie in ihren Unternehmen vorzugsweise andere Chinesen einstellen.

Das nicht alles perfekt ist in Malaysia, ist auch uns nach einigen Wochen aufgefallen. Die Gruppen mischen sich kaum untereinander und es gibt Vorurteile in alle Richtungen: Inder sollen eitel sein, Malaien können schlecht mit Geld umgehen und Chinesen könne man grundsätzlich nicht trauen. Das es regelrechten Rassismus gibt, wurde uns an dem Tag klar, als uns ein chinesischer Malaie anvertraute, dass er der Meinung sei, die Bumiputra-Malaien seien dümmer oder zumindest fauler als die Chinesen. Weshalb sonst wäre es wohl nötig, dass der Staat ihnen hilft?

Und genau deshalb gibt es „One Malaysia“. Das Programm wurde von Premierminister Najib Razak 2010 ins Leben gerufen. Es soll einen Dialog zwischen den Volksgruppen fördern. Es soll zu einem Verständnis der Kulturen, Traditionen und Mentalitäten führen und Vorurteile abbauen. Najib Razak hat beim Sikh Neujahr Vaisakhi viel von One Malaysia gesprochenEs soll die Menschen Malaysias näher zusammen bringen. Wie das Programm aber konkret umgesetzt wird, ist nur schwer zu erkennen. Es werden viele kulturelle Veranstaltungen durchgeführt, wie z.B. das Vaisakhi, das Neujahr der indischen Sikh.  Dort konnten wir, zusammen mit dem Premierminister Najib und bei kostenlosem Eintritt, indisch essen und feiern. Außerdem existieren im Internet verschiedene Plattformen zur Kommunikation. Greifbare Maßnahmen scheinen allerdings nicht geplant zu sein. Es ist vor allem eine Idee, die sich verbreiten soll. Auf der offiziellen Webseite 1malaysia.com.my von Najib Razak findet man folgende Kernaussage: „Die Einigkeit, die das 1Malaysia Konzept meint, ist absolut anders als das Konzept der Assimilation, welches in anderen Ländern existiert, in denen die ethnischen Identitäten ausgelöscht und durch eine homogene nationale Identität ersetzt werden.“

Meiner Meinung nach könnte Malaysia ein Paradebeispiel für das Zusammenleben verschiedener Kulturen und Religionen auf der ganze Welt werden. Die Menschen Malaysias sind die interessantesten und offensten, die wir auf unserer Reise kennen gelernt haben. Deshalb schmerzt es umso mehr, dass viele Reisende, die wir getroffen haben, Malaysia keine besondere Beachtung schenken mögen. Ein muslimisches Land, in dem feiern und Alkohol trinken teuer ist, passt vielen nicht in den Reiseplan. Schade, sie verpassen ein großartiges Land mit einmaliger kultureller Vielfalt und einer außergewöhnlichen Landschaft.

1 Malaysia, das ist auch vielfältige Kultur

 

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One Response to “„One Malaysia“ – das perfekte Zusammenleben verschiedener Kulturen?”

  1. Max sagt:

    Dem kann ich absolut nur zustimmen. Als wir im Mai für 4 Wochen durch Malaysia gereist sind haben wir auch das Zusammenleben der verschiedenen Kulturen genossen. Egal ob man die West- oder Ostküste von Malaysia bereist, oder weiterfliegt nach Borneo, überall ist man positiv überrascht wie gut sich Kulturen und Religionen verständigen.

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