Ein Mann braucht Freiheit und Abenteuer. Also habe ich mir in Chiang Mai meinen neuen Freund Jens geschnappt und mir mit ihm eine Honda Dream ausgeliehen. Okay, eine Honda Dream ist kein Motorrad, hat nur 125 ccm und ist eine Halbautomatik, aber ich bin ja auch kein echter Biker.

Lets start the trip

Von Chiang Mai aus, sind wir vier Tage lang eine der anspruchsvollsten Strecken Thailands gefahren. Über Sage und Schreibe 3567 Kurven ging es in das Touristennest Pai, in die Provinzhauptstadt Mae Hong Son, auf den Doi  Inthanon  (den mit 2565 m höchsten Berg Thailands) und über die Kleinstadt Curves! Mea Chaem zurück nach Chiang Mai. Jeder passionierte Motoradfahrer sollte sich das nochmal genau anhören: auf 640 km gibt es 3567 Kurven, dass heißt im Durchschnitt fährt man von einem Scheitelpunkt einer Kurve zum nächsten gerade mal 180 Meter! Aber was sagen schon Zahlen? Das Gefühl des Fahrens war für mich so neu und so überraschend großartig, dass ich, sobald ich meine scheu abgelegt und die Honda etwas kennen gelernt hatte, wie berauscht war.

Es ist ein wundervolles Gefühl, wenn die Sonne auf mein Gesicht scheint, der Fahrtwind um meine Nase weht und die Kurven auf mich zufliegen. Volle Konzentration, schalten, abbremsen, rein in die Kurve und wieder beschleunigen, nur um direkt auf die nächste Haarnadel zu blicken. Ein Nervenkitzel nach dem anderen. Berge und Kurven. Das ergibt ein einmaliges Fahrerlebnis mit dem Motorrad. Einen Moment fahre ich durch die Sonne, genieße den Gegenwind, der meinen Schweiß wegbläst. Eine Kurve später, im Schatten eines schroffen Berges ist es plötzlich 5°C kälter und ich bin froh, meine Jacke noch nicht ausgezogen zu haben. Und ich weiß, dass ich in spätestens zwei oder drei Kurven wieder in der Sonne fahre. Aber das beste ist es auf eine steile Felswand zuzufahren, eine von grünem Wald und blauem Moos bedeckte, die Sekunden zu genießen und mich auf die nächste Kurve zu freuen.

Street between Pai and Mae Hong Son

Und unterwegs gibt es unbeschreiblich viele Aussichtspunkte auf den satt grünen Wald Nordthailands. Man kann immer wieder von der Hauptstraße abfahren und einsame Höhlen und Wasserfälle finden.

Derart vom Weg begeistert, war es fast unerheblich, dass Pai ein herrlich entspannter, völlig touristischer Ort ist (wie es ihn scheinbar in jedem Land mindestens einmal gibt), Mae Hong Son extrem authentisch und sicher einen längeren Aufenthalt wert, und Mea Chaem so unbedeutend, dass ich seinen Namen immer wieder vergesse. Fast unerheblich war es auch, dass das unausweichliche passieren musste. Ich bin, wie schon gesagt kein Motoradfahrer – eigentlich bin ich in meinem Leben nur ab und zu Roller auf unbefahrenen Straßen gefahren – und die Strecke ist sehr Kurvenreich, sehr steil und sehr anspruchsvoll. Um es kurz zu machen, am zweiten Tag, ca. Bei Kurve 1500, bin ich in eine Kurve etwas zu schnell eingefahren und konnte nicht mehr stark genug bremsen. Die Honda ist weggerutscht und hat sich unter der Leitplanke verkeilt.  Irgendwie habe ich es geschafft in eine andere Richtung zu rutschen und habe mir nur ein paar ziemlich tiefe (und beim weiterfahren schmerzhafte) Schürfwunden zugelegt. Das Moped war fast unbeschädigt und mein Schock hat auch nur kurz angehalten. Etwas ist die Angst in den weiteren Tagen zwar immer mit gefahren, aber das Erlebnis war trotzdem bombastisch!

Scenery in north Thailand

 

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2 Responses to “Mit dem Motorrad durch Thailand”

  1. Volker sagt:

    Hallo,

    ich kann voll bestätigen, dass es unheimlich viel Spass macht dort zu fahren. Zwischen Pai und Mae Hong-Son war ich schon ein par mal mit so einer Honda-Dream unterwegs (inkl. Platten). Genial!

    Aber auch mit einem Auto macht es Spass. Mit einem Auto bin ich einige Routen in der Gegend gefahren. Auch die große Tour von Chiang Mai über Pai nach Mae Hong Son.

    Der Fahrspass ist beim Moped sicherlich noch etwas größer – aber beim Auto kann man mehr Gepäck mitnehmen und es ist etwas bequemer – vor allem für meine Frau.

    Gruß
    Volker

  2. […] Jens auf dem Motorrad unterwegs, um das Umland Chiang Mais zu erkunden. Diesem Erlebnis haben wir  einen eigenen Artikel […]

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