Zurück in Asien: Diesen Artikel wollten wir schon lange schreiben. Aber es ist uns nicht leicht gefallen, sind unsere Gedanken heute doch ganz woanders und das Thema nicht gerade angenehm. Kambodscha ist viel mehr, als wir jetzt darüber berichten. Aber, was uns am meisten beschäftigt und erschrocken hat ist ein düsteres Kapitel in ihrer Geschichte: die Herrschaft der Roten Khmer.

Die Vergangenheit, die Laos, Kambodscha und Vietnam verbindet ist weitgehend bekannt. Aber vor Ort sein und diesen Horror sehen, in Museen, Dokumentationen oder auf den Straßen im Blick mancher älterer Menschen, das kann einem nicht gleichgültig sein. Für uns im fernen Westen ist es Vergangenheit, aber dort ist alles noch frisch.

Man kann nicht gerade sagen, dass es diese Länder leicht hatten. Zuerst die Kolonialisierung durch die Nachbarländer, dann die französische Herrschaft, die japanische Invasion und letztendlich der amerikanische Krieg (außerhalb Asiens als Vietnamkrieg bekannt). Und das schlimmste: viele Menschen leiden heute noch unter den Konsequenzen des Krieges.

Die Herrschaft Pol Pots und der Roten Khmer in Kambodscha

Was in Kambodscha in den Jahren von 1975 – 1979, unmittelbar nach dem Vietnamkrieg, geschah, ist schwer zu begreifen. Ein kommunistisches Regime, die Roten Khmer, wollte die Gesellschaft ihres Landes radikal verändern. Sie wollten eine perfekte Welt schaffen, eine Utopia. Gedemütigt und ohne Selbstvertrauen war das Land zu dieser Zeit, gebeutelt durch jahrhundertelange Fremdherrschaft. So war das oberste Ziel der, von Pol Pot angeführten Roten Khmer, einen souveränen und von jeglichen Fremdmächten unabhängigen Staat zu gründen. In einem mehrere Jahre lang andauernden Bürgerkrieg gelang es ihnen, immer mehr Unterstützung in der friedliebenden kambodschanischen Bevölkerung zu erlangen und am 17. April 1975 nahmen sie die Hauptstadt Phnom Penh ein und stürzten die Regierung. Ihr Sieg und das Ende des Bürgerkrieges wurde gefeiert. Die Menschen hofften auf Frieden und ein besseres Leben.

Aber die Roten Khmer hatten ihre eigene Idee einer perfekten Welt im Kopf.

Um unabhängig von jeglichen äußeren Einflüssen zu werden, wollten sie einen Agra-Staat nach dem Vorbild Maos erschaffen, ein fruchtbares Land voller Reis und glücklicher, unabhängiger Menschen, eine Welt ohne Hunger. Deshalb, und um den Boden für einen Wiederstand gegen ihre Revolution zu nehmen, entvölkerten sie alle Städte des Landes. Zunächst wurde die Hauptstadt Phnom Penh geleert. Mehr als 2 Millionen Menschen, egal ob jung oder alt, gesund oder krank, stark oder schwach, mussten aufs Land ziehen. Tage-, manchmal Wochenlange Märsche, zurück in ihre Heimatorte, in ihnen zugewiesene Dörfer oder in Arbeitslager. Menschen, die an ein Leben in der Stadt gewohnt waren mussten plötzlich härteste körperliche Arbeit verrichten. Tausende starben auf diesem Exodus, der in der Geschichte der Menschheit seines gleichen sucht.

Und dann begann der Aufbau des neuen Kampuchea. In der glorreichen Zeit der Angkor-Könige war Kambodscha einmal ein wichtiges Reich gewesen. Das Land war damals durchzogen von unzähligen Kanälen, die das Wasser der Regenzeit speichern konnten, so dass auch in der Trockenzeit Reis angebaut und geerntet werden konnte. Das war auch das Ziel der Roten Khmer. Und dafür mussten die Menschen Kambodschas hart arbeiten. Zunächst waren die meisten bereit, dieses Leid auf sich zu nehmen. Sie wollten wieder stolz sein können auf sich und ihr Land. Aber nach und nach wurde offenbar, wie das Leben in diesem neuen, so wundervoll klingenden Land wirklich aussah.

Wie weit darf man gehen, um die perfekte Gesellschaft zu schaffen? Wie viele Menschenleben darf man opfern um eine Utopia wahr werden zu lassen? Pol Pot hatten auf diese Fragen Antworten, die viel weiter gingen als die anderer Massenmörder.

Zunächst wurden alle intellektuellen Kambodschas getötet, dabei war es schon ein Todesurteil eine Fremdsprache zu sprechen, oder eine Brille zu tragen. Ehemalige religiöse und politische Führer wurden mit falschen Versprechen zusammengerufen und hingerichtet, ihre Leichen geplündert und am Straßenrand liegen gelassen. Aber die Massaker waren nicht immer so nachvollziehbar. Pol Pot erschuf eine ganz neue Art der Schreckensherrschaft: den Autogenozid. Er hat millionen Menschen seiner eigenen Nation, Rasse, Religion und politischen Meinung getötet. Und es wurde keiner verschont: Landbewohner, Intellektuelle und Soldaten wurden hingerichtet, Männer wie auch Frauen und Kinder und auch die Roten Khmer selber waren nicht ausgenommen. In Gefängnissen, wie dem S21 in Phnom Penh wurden Menschen solange gefoltert, bis sie Straftaten gestanden, die sie nie begangen hatten. Sabotage eines Kanals, Faulheit beim arbeiten oder auch nur die Abnutzung zu vieler Werkzeuge. Niemand wurde unschuldig eingesperrt. Und für jedes Verbrechen gab es nur eine Strafe: den Tod.

some of the tortured prisonners by khmer rouge in S21 Tuol Sleng, a cell 2

In Tötungslagern, wie den killing fields „Choeung Ek“ kann man versuchen sich vorzustellen, wie damals tausende ermordet wurden. Um Munition zu sparen wurden die Verurteilten zum Teil mit Werkzeugen hingerichtet; Babys wurden mit dem Kopf gegen einen Baum todgeschmissen. Eine Pagode mit 8000, zum anfassen nahen, Totenschädeln unbekannter Opfer erinnert heute daran.

Choeung Ek, skulls of 8000 unknown victims Babies killed beaten against this tree

Und wofür das alles?

Die kommunistische Führung versprach ein Volk von Gleichgestellten, doch wurde den ehemaligen Stadtbewohnern mehr Leid zu gefügt als anderen, die Militärs hingegen waren privilegiert. Sie hatten die Waffen und die Macht in ihren Händen. Sie hatten immer ausreichend zu essen und waren die einzigen, die Zugang zu westlicher Medizin hatten.

Um das ganze Land zu ernähren, arbeitete die gesamte Bevölkerung unvorstellbar hart auf dem Land doch selbst die ärmsten Bauern hatten vor der Revolution mehr zu essen als unter der Herrschaft der Roten Khmer.

Pol Pot wollte ein unabhängiges Land, doch die schlechten Ernten und katastrophale Industrie trieb die Roten Khmer dazu, doch Hilfen von den kommunistischen Freunden aus China und Russland annehmen zu müssen.

Ein glückliches Volk? Kein Ziel der Roten Khmer wurde so weit verfehlt wie dieses. Tausende Kambodschaner flohen in die umliegenden Länder. Der Hunger und die gnadenlos harte Arbeit trieb hunderttausende in den Tod. Familien wurden zerrissen, Kindern wurde die neue Ideologie eingetrichtert, bis sie bereit waren ihre eigenen Eltern zu verraten. Um bei all diesen Bedingungen ein aufbäumen der Bevölkerung zu vereiden musste radikale Waffengewalt angewendet werden.

Kambodscha hatte zu Beginn der Herrschaft der Roten Khmer eine Bevölkerung von etwa 7 Millionen Menschen. Während ihrer 4 jährigen Herrschaft starben schätzungsweise 1,5 – 3 Millionen Menschen! Sie starben direkt durch die Waffen der Roten Khmer, durch Hunger, durch unmenschlich harte Arbeit oder an mangelnder medizinischer Versorgung.

Also wofür das alles? Wirklich um eine bessere Welt zu schaffen? Es ist nicht vorzustellen, dass das tatsächlich der Grund war. Letztlich ging es wie immer, nur um Macht!

*Lest auch die französische Version des Artikels, der das Thema aus einem anderen Blickwinkel betrachtet*

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Lest auch Teil 1 – Der geheime Krieg in Laos

Teil 3 – Der Vietnam-Krieg

und das Fazit

unserer Reihe über die Kriege in Indochina.

 

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5 Responses to “Indochina, eine traumatische Vergangenheit, Teil 2: Kambodscha”

  1. […] Obwohl dieses Volk Furchtbares erleiden musste unter den Roten Khmer, die während ihrer Schreckensherrschaft etwa zwei Millionen Menschen ermordeten, verhungern ließen oder durch harte körperliche Arbeit […]

  2. […] Obwohl dieses Volk Furchtbares erleiden musste unter den Roten Khmer, die während ihrer Schreckensherrschaft etwa zwei Millionen Menschen ermordeten, verhungern ließen oder durch harte körperliche Arbeit […]

  3. totoche sagt:

    Pol Pot a l´air unique dans son genre mais d´autres dictateurs par peur d´une rébellion ou autre ont également massacré leur propre population (ex: guerre civile du Rwanda en 94) Les rébellions prennent souvent naissance dans les villes où les groupes révolutionnaires se constituent plus facilement que dans les campagnes et la misère dans les villes est plus farouche et moins gérable pour les dirigeants, d´où cette volonté de faire table rase des villes et des intellos, principaux militants d´une révolution. Mais à part ça il est évidemment difficile de comprendre les motivations de ce taré!!!
    Qui est le plus grand tueur de l´humanité, Hitler, Staline ou Pot Pot ou..? Bonne question et avis aux historiens car moi je n´en sais rien! le débat pourrait être corsé ( A propos, Hitler dans son antisémitisme s´en est également pris à une partie de sa population, aux allemands juifs).
    Il est effectivement dommage que cette histoire tombe dans l´oublie (dans le monde occidentale), alors merci de nous avoir rafraîchis la mémoire!
    bisous!

    • Maria sagt:

      Merci pour ton commentaire très constructif.
      Bien entendu il y’a beaucoup d’autres et beaucoup trop d’injustices dans le monde. Je parle ici surtout de ce qui m’a marqué pendant mon voyage.
      Donc dans le cas de Pol Pot, il a tué 20 à 30 % de la population totale du Cambodge, ce qui est énorme. Et il a exterminé des gens sans vraiment de système particulier. Il n’a pas seulement tué des rebelles mais des gens comme toi et moi, avant même qu’ils aient songé à se révolter. Il a aussi détruit totalement l’industrie de son pays. Il a imposé le labeur agricole, mais ce qui s’est passé, c’est que les gens ont encore plus soufferts de la famine.
      Et qui est le responsable du plus grand génocide de l’histoire ? Difficile de répondre. Selon cet article allemand ce serait Mao Zedong qui aurait massacré près de 45 millions de chinois. Pourtant en Chine, les gens le prennent pour un héros !

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