Hier unser letzter Artikel über Indien soweit. Wir müssen auch irgendwann mal über die anderen Länder berichten, in denen wir jetzt schon waren.

Man könnte wirklich ein Leben damit verbringen, über dieses Land zu berichten, das Land der großartigen Küche, der schönsten Orte und des schlimmsten Drecks.

Church in GoaDisgusting

Indien werden wir lange nicht vergessen. Es hat uns vom ersten bis zum letzten Moment erstaunt, schockiert, geekelt, fasziniert, tief bewegt, und zornig gemacht. Wir hatten oft Lust alle Leute um uns herum zu schlagen. Ihr habt jetzt schon positive und negative Artikel über Indien von uns gelesen und fragt euch sicher, ob es uns nun gefallen hat oder nicht und ob wir es als Reiseland empfehlen können.

Ganz ehrlich, die Antwort ist extrem schwierig. Indien hat zwar immer wieder unsere Nerven strapaziert, aber wir bereuen es nicht, dort gewesen zu sein.

In Indien sieht man Dinge die es nirgendwo sonst auf der Welt gibt. Man trifft Menschen mit Ideen und Gedanken, die so weit von unseren entfernt sind, dass wir nicht einmal ansatzweise versuchen konnten sie zu verstehen. Indien ist ein anderer Planet.

Wir sind insgesamt 7 Wochen über 7000 km auf dem Landweg durch Indien gereist. Hier eine kleine Übersicht der von uns besuchten Orten:

Der Norden mit Delhi, Agra, Varanasi, Kalkutta und der Region Rajastan (Bundi, Udaipur, Jaipur).

Royal gaitor, Jaipur, north India

Hier war das Reisen am anstrengendsten. Hier werden die Touristen nie in Ruhe gelassen. Immer wieder hört man die gleichen Locksprüche: „You like, you buy. Don’t like, don’t buy.“ Manchmal zeigt dir auch, wenn Du nach etwas bestimmten auf der Suche bist, jemand netterweise den Weg (ohne dass er weiß wo du hin willst) „This way!“ und schon bist Du in den Fängen eines Verkäufers gelandet, der dich zu sich einlädt: „Come in my Shop, my friend“. Oder auf der Straße, wenn man mal wieder einem Rikscha-Fahrer nein gesagt hat, hört man regelmäßig als nächstes: „Haschisch? 12 hour, full power, no shower.“

Cows on Indian streets

Die meisten Städte im Norden waren sehr dreckig, die Straßen schmal und ohne Bürgersteig, so dass man sich mitten auf der Straße zwischen Rikschas, Motorräder Autos und Kühen einen weg erkämpfen muss. Dabei kann man sich gar nicht wirklich auf den Verkehr konzentrieren, da man wie in einem Videospiel, den Kuhfladen und dem Müll ausweichen muss. Die Einheimischen tragen aber, egal bei welchem Schmutz und bei welchem Wette, immer Flip-Flops. Wir jedoch waren sehr froh um unsere anti-Dreck-Wanderstiefel. Apropos anti-Dreck, es gibt zwar selten Mülleimer, aber die heiligen Kühe sorgen etwas für Müllentsorgung, da sie alles mögliche wie Plastik, Pappe oder Blumenketten, die den Bus dekorieren, verschlingen. Und wo es keine Kühe gibt gibt es sicher Hunde, Schweine und Ziegen.

Cow eating garbage

Das Zentrum wo wir im Kanha National Park auf einer Safari Tiger, und in Mumbai einen Bollywood auf Hindi gesehen haben.

Mumbai

Mumbai war erstaunlich hübsch und angenehm sauber im Vergleich zum Norden. Viel empfehlenswerter als zum Beispiel Delhi.

Der Süden mit seinen Stränden in Goa, den ruhigen Backwaters in Kerala und den einzigartigen Tempeln in Tamil Nadu.

Scenery in Goa

Kerala Backwaters, south India

Er bietet viel schönere Landschaften und entspanntere Menschen. So ist der Süden deutlich einfacher und angenehmer zu bereisen. Und die grandiose Naturschönheit Goa, mit entlosen Palmenwäldern, tropischen Temperaturen und wunderschönen Sandstränden, war der einzige Ort in Indien, der uns an Urlaub erinnert hat.

All die langen Strecken haben wir fast ausschließlich mit dem Zug in Schlafwaggons dritter Klasse bewältigt. Hier kann man neben interessanten Menschen, auch immer wieder auf Dreck, Mäuse und unzählige Kakerlaken treffen. Die Leute haben sich angewöhnt, ihren Müll entweder aus dem Fenster oder auf den Boden zu werfen.

Die Züge sind oft mehr als ausgebucht, so dass man lange im Voraus reservieren sollte, ansonsten kann es passieren, dass man auf dem Boden die Nachtruhe suchen muss. Wer will kann sich aber auch, wie die Einheimischen, auf die Gepäckablage legen. Und selbst wenn Du den Luxus einer eigenen Liege hast, setzt sich gern mal ein Inder auf deine Beine. Und gib acht beim auf Toilette gehen, dass Du nicht auf ein paar auf dem Boden schlafende Inder trittst. Und wer im Nachtbus neben einem Inder sitzt, sollte sich nicht wundern, dessen Kopf gemütlich an der eigenen Schulter angelehnt wieder zu finden. Und wie sehr Du dich auch bewegst und mit der Schulter zuckst, Du wirst die ganze Nacht bequemer sein als das Fenster. Die Inder haben eben keine Berührungsangst.

In a train

2 people sharing a bed

Na ja, sonst gibt es eine Million weitere Anekdoten zu erzählen. Allein die Betrügereien, denen man jeden Tag begegnet, wären einen eigenen Artikel wert. Hier nur eine kurze: in Delhi in einem mittelklasse Restaurant, hat man uns eine Karte auf englisch gegeben. Es war eine richtige, farbig gedruckte und laminierte Karte. Die indischen Touristen neben uns am Tisch hatten die selbe Karte, auch auf englisch, nur… mit deutlich niedrigeren Preisen. Als wir dem Kellner gesagt haben, dass er uns „versehentlich“ eine „falsche“ Karte gegeben hat, konnte er uns lächelnd ins Gesicht lügen, dass es unterschiedliche Karten für Mittag und Abendessen gibt. Von wegen! Wir mussten kämpfen, um die echten Preise zu zahlen. So geht es jeden Tag, jede Minute fast. Selbst, wenn man Wasser in geschlossenen, abgepackten Mineralwasserflaschen kauft, kann man sich nicht sicher sein, dass man nicht giftiges Flusswasser kauft. Maria lag einmal vom „Mineralwasser“ trinken zwei Tage mit Fieber im Bett. Ach ja und auch wenn die Preise auf einer Tafel stehen, versuchen manche Verkäufer trotzdem mehr von uns zu verlangen, als könnten wir nicht lesen. Sie haben uns oft wie Idioten behandelt. Man könnte manchmal meinen, dass sie die „Weißen“ hassen.

Natürlich gibt es auch jede Menge zu erzählen über die Inder selbst und ihre, für uns manchmal unlogische, Verhaltensweisen, wie z.B. ihre Vorstellung von Hygiene. So bevorzugen es die Inder oft auf dem Boden zu sitzen anstatt auf Bänken. Selbst im dreckigen Bahnhof, wo ein Beamter immer wieder die Menschen vom Boden verjagen musste, haben sich viele geweigert die freien Sitzplätze zu nutzen.

a lot of people waiting for the train on the floor

Und wenn man den Indern eine einfach Ja-Nein frage stellt bekommt man mit hoher Wahrscheinlichkeit ein zweideutiges „Kopfwackeln“ als Antwort. Die Bewegung, wie ein liegende Acht, ist weder ein Nein noch ein Ja, aber auch kein Vielleicht. Selbst für die Inder ist diese Antwort oft ein Rätselraten. Es kann tatsächlich „Ja“, „Nein“, „Vielleicht“, „Weiß nicht“, „Interessiert mich nicht“ oder „Nerv mich nicht mehr“ heißen. „Ist der Platz jetzt also frei oder nicht???

Aber, anyway, mit der Zeit und etwas Abstand, lacht man darüber statt sich, wie damals, zu ärgern. Wir haben versucht die Inder und ihr Land zu verstehen aber ohne Erfolg. Vielleicht muss man Jahre dort verbringen, um die Kultur und Mentalität ein wenig zu durchschauen, noch ohne sie zu verstehen. Aber, als kleiner Trost, auch die Inder verstehen uns nicht. Wenn wir sagen, dass wir Rindfleisch essen, gucken sie uns an wie Kinderschänder. Oder dass wir noch keine Kinder haben. Da wollte jemand Björn gleich einen guten Doktor empfehlen. Auch wir, als wir in diesem riesigen Land waren, hatten den Eindruck, es gibt nur Indien und kein Welt außerhalb. So fühlen sicher auch die meisten Inder, die vermutlich noch nie ihr Land, oder ihre Stadt verlassen haben. In Indien ist man jeden Moment mit all den Menschen und Eindrücken beschäftigt. Das erfordert deine komplette Aufmerksamkeit, benebelt dich und täuscht deine Sinne.

Aber Indien macht auch stärker. Es fördert einige Charaktereigenschaften, auf die man beim Reisen danach und auch im weiteren Leben immer wieder zurückgreifen wird. Es macht es geduldiger, härter im nehmen und man lernt, vieles zu akzeptieren.

Um die Frage vom Anfang zu beantworten: wir würden Indien nicht als Urlaubsland empfehlen (mit Ausnahme von Goa), aber als Reiseziel zum entdecken einer völlig anderen Welt und um unvergesslichen Erfahrungen zu sammeln. Aber achtung Indien ist ehrlich nichts für Sensibelchen oder Pingelige.

 

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