Die Vergangenheit, die Laos, Kambodscha und Vietnam verbindet ist weitgehend bekannt. Aber vor Ort sein und diesen Horror sehen, in Museen, Dokumentationen oder auf den Straßen im Blick mancher älterer Menschen, das kann einem nicht gleichgültig sein. Für uns im fernen Westen ist es Vergangenheit, aber dort ist alles noch frisch.

Man kann nicht gerade sagen, dass es diese Länder leicht hatten. Zuerst die Kolonialisierung durch die Nachbarländer, dann die französische Herrschaft, die japanische Invasion und letztendlich der amerikanische Krieg (außerhalb Asiens als Vietnamkrieg bekannt). Und das schlimmste: viele Menschen leiden heute noch unter den Konsequenzen des Krieges.

‚Der amerikanische Krieg in Vietnam‘ oder ‚der Vietnamkrieg der Amerikaner‘

Ho Chi Minh MuseumHo Chi Minh mausoleum

Vietnam war für ca 80 Jahre lang Teil des französischen Kolonialimperiums gewesen, bevor Ho Chi Minh einen unabhängigen, kommunistischen Staat Vietnam errichtete. 1945 besetzte Frankreich den Süden erneut, welcher später vom kommunistischen Norden angegriffen wurde. Dies war zugleich ein Stellvertreter Krieg der Mächte des Kalten Krieges. Russland und China unterstützten Ho Chi Minh, die USA half den Franzosen. Trotzdem besiegt Ho Chi Minh die Franzosen in der Schlacht von Điện Biên Phủ. Die Genfer Konferenz teilt Vietnam 1954 in zwei Militärzonen und schlägt landesweite freie Wahlen in 2 Jahren vor. Statt dessen unterstützten die USA gefälschten Wahlen in Südvietnam, bei welchen der Marionetten-Präsident Ngô Đình Diệm eingesetzt wird. Diem regiert wie ein Diktator. Doch das Ausmaß der Ungerechtigkeiten wird im Westen erst sichtbar, als sich 1963 der Buddhistische Mönch Thích Quảng Đức in Saigon öffentlich selbst verbrennt um damit gegen Diem zu protestieren. Diem wird in der Folge entmachtet und ermordet.

Die Selbst-Verbrennung von Thich Quang Duc während dem Vietnam-Krieg

Nachdem die Amerikaner zuerst freie Wahlen verhindert und einen Diktator installiert hatten, erfanden sie 1964 einen Grund um Hanoi zu bombardierten und gegen die Kommunisten Krieg zu führen.

Sie haben damit einen Bürgerkrieg in einen amerikanischen Konflikt verwandelt und führten ihn mit den schrecklichsten Mittel, die man sich nur vorstellen kann.

Der Besuch des War Remnant Museums in Ho-Chi-Minh-Stadt zeigt schockierend, dass die Amerikaner zusätzlich zum töten von Millionen von Vietnamesen noch ein anderes unverzeihliches Verbrechen begangen haben. Ein Verbrechen, das nicht nur unzähligen Menschen das Leben gekostet hat, sondern auch 400 000 Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche vergiftet und 20% der Wälder Süd-Vietnams zerstört hat. Dieses Verbrechen hat einen Namen: es ist das Herbizid Agent Orange.

Es enthält Dioxin, ein hochwirksames Gift und zwischen 1961 und 1971, wurden unglaubliche 80 Millionen Liter dieses toxischen Produkts von US-Flugzeugen auf vietnamesischen Boden geworfen. Das eigentliche Ziel war das Entlauben der Wälder, um die vietnamesischen Verstecke zu finden und um ihre Ernten zu zerstören. Insgesamt wurden zwischen 2,1 und 4,8 Millionen Menschen direkt betroffen. Aber das Schlimmste ist, dass noch heute unschuldige Menschen unter den Konsequenzen zu leiden haben. Agent Orange ist für alle Arten von schweren Krankheiten wie Krebs, Diabetes, Blindheit, Behinderung u.s.w. verantwortlich.

Agent Orange verursacht Behinderungen

Agent Orange Opfer

Unglücklicherweise ist Dioxin eine sehr stabil und daher langsam verschwindende Chemikalie. So ist es heute noch immer im Boden und in der Nahrungskette vorhanden und verseucht die Umwelt. Es bewirkt immer noch, 40 Jahre nach Kriegsende, Krebs und schweren Missbildungen bei Neugeborenen!

Amerikanische Veteranen und südkoreanische Opfer von Agent Orange erhielten hohe finanzielle Entschädigungen, während die Vietnamesen noch lange darauf warten können. Wann werden die Vereinigten Staaten Verantwortung zeigen und beschließen, die Folgen dieses monströsen Kriegsverbrechens zu beheben?

Heute sind die Cu Chi Tunnel viel grösser, als während dem Vietnam KriegWie aber konnten die Viet-Cong gegen die so rücksichtslose und technisch weit überlegene USA bestehen? Nur dank ihres Einfallsreichtums! Amerikanisches Maschinengewehr aus dem Vietnam Krieg In der Nähe von Ho-Chi-Minh-Stadt haben wir ein Zeugnis davon, die Cu Chi Tunnel, besichtigt. Ein, mit bloßen Händen gebautes, 250 km langes, technisch und strategisch meisterhaftes Tunnelsystem über mehrere Ebenen. Die Eingänge und Lüftungslöcher sind perfekt im vietnamesischen Dschungel getarnt. Selbst der Einsatz von Urinsensoren half nicht sie aufzuspüren und auch die größten Bomben konnten nur selten Schaden anrichten. Weder das Überfluten, Vergasen oder Sprengen der, nur aus Erde gebauten Tunnel, brachte Erfolg.

Cu Chi Tunnel - die Falltür ist perfekt versteckt Die Tunnel im Vietnam Krieg waren zu klein für amerikanische Soldaten

Also mussten die Amerikaner in die Ameisengänge hinabsteigen. Doch waren diese zu eng für einen durchschnittlichen GI. Überall in den Gängen warteten versteckte Fallen: Granaten, giftige Schlangen in Bambusrohren oder auch Massen von Bienen, Vogelspinnen oder Ratten, die so manchen Soldaten für immer aus den Tunneln verjagten.

Eine Falle aus dem Vietnam Krieg Im Vietnam Krieg wurden den amerikanischen Soldaten viele Fallen gestellt

Für die Viet-Cong waren die Tunnel ebenso unangenehm. Es gab nur wenig Luft, es konnte nur morgens gekocht werden, wenn der Rauch als Die Viet-Cong tarnten Küchenrauch als MorgennebelMorgennebel getarnt werden konnte, es gab keineToiletten und keine Hygiene. Dennoch, es war der einzige Ort, an dem sie sicher waren und so lebten viele Monatelang unter der Erde. Selbst Theatergruppen gab es und so mancher Säugling erblickte dort unten das Licht der Welt.

Auch über der Erde hatten die Amerikaner ein schweres Leben. Fallen, die höllische Schmerzen verursachten, aber nicht töteten und aus denen es kein Entkommen gab, waren im Umkreis der Tunneleingänge versteckt. Die Moral der Soldaten litt enorm unter den Fallen, welche zu aller Ironie, aus amerikanischem Kriegsmüll gebaut wurden. Selbst nicht explodierte Bomben wurden von den Viet-Cong unter Lebensgefahr wiederverwendet.

Die Viet-Cong bauten viele verschiedene Fallen während dem Vietnam Krieg Amerikanische Soldaten litten im Vietnam Krieg sehr unter den Fallen der Viet-CongDie Vietnamesen erfanden schmerzhafte Fallen im Laufe vom Vietnam Krieg

All die Tunnel und Fallen sorgten dafür, dass die Amerikaner zu keinem Zeitpunkt des Krieges die Kontrolle hatten. Sie waren auf der Erde, aber der Feind befand sich direkt unter ihnen.

Bei der drei Jahre lang geplanten Tet-Offensive zeigte sich dann, wozu der Viet-Cong in der Lage war. Er griff in einer Nacht über 100 strategische Punkte gleichzeitig an, u.a. die amerikanische Botschaft Saigons. Militärisch ein Debakel sorgte die Aktion doch dafür, dass die Stimmung im Westen kippte und führte letztlich dazu, dass die Amerikaner sich aus Vietnam zurück zogen.

Danach dauerte es noch 2 weitere Jahre, bis die Viet-Cong den Süden erobert hatten und 1976 die Sozialistische Republik Vietnam ausgerufen wurde.

Das Fazit dieses Krieges fällt erschreckend aus. Die Amerikaner verloren fast 60.000 Männer und mussten sich gedemütigt zurück ziehen. Zur gleichen Zeit aber wurden eine Million vietnamesische Soldaten und über 4 Millionen Zivilisten getötet! Nach dem Krieg sind die großen Verlierer jedoch die Vietnamesen, die auf der Seite der Amerikaner gekämpft haben. Nach dem Abzug der US-Truppen wurden viele getötet oder in Umerziehungslager gesperrt.Tien ist auch ein Opfer vom Krieg in Vietnam - Er kämpfte auf Seiten der USA Das Eigentum der Reichen wurde beschlagnahmt. Diese und die intellektuellen Antikommunisten waren gezwungen, im Jahr 1975 mit Booten zu fliehen (boat people) und dabei ihr Leben aufs Spiel zu setzen. Wir trafen einen von Ihnen, Tien, welcher heute in den Vereinigten Staaten lebt. Er kehrte zum ersten Mal seit seiner Flucht für eine Sightseeing-Tour mit seiner Frau nach Vietnam zurück Für ihn war es ein sehr seltsames Gefühl, seine ehemalige Heimat nach 30 Jahre wieder zu sehen und denjenigen zu begegnen, die vielleicht seinen Vater während des Krieges hätten ermorden können. Wir konnten ihn spüren, seinen Zorn gegen die Kommunisten. Seine Sicht ist durchaus verständlich, wenn man die Tragik seiner Jugend kennenlernt. Nicht nur wurde sein Vater brutal ermordet, sondern auch Tien selber wurde beim verlassen Vietnams von einer Kugel getroffen. Diese körperliche und psychische Narbe wird ihn auf Ewig begleiten.

Will dieser Artikel den Kommunismus verteidigen? Ist alles, was Ho Chi Minh gemacht hat richtig? Nein! Aber wenn man in Vietnam, oder auch in seinen Nachbarländern Laos oder Kambodscha, ist, fällt es schwer nicht anti-amerikanisch zu denken. Letztendlich hat es in diesem unnötigen Krieg nur Schmerz und Tod gegeben. Letztendlich waren alle Verlierer.

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Lest auch Teil 1 – Der geheime Krieg in Laos

Teil 2 – Die Roten Khmer und Pol Pot in Kambodscha

und das Fazit

unserer Reihe über die Kriege in Indochina.

 

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