Die Vergangenheit, die Laos, Kambodscha und Vietnam verbindet ist weitgehend bekannt. Aber vor Ort sein und diesen Horror sehen, in Museen, Dokumentationen oder auf den Straßen im Blick mancher älterer Menschen, das kann einem nicht gleichgültig sein. Für uns im fernen Westen ist es Vergangenheit, aber dort ist alles noch frisch.

Man kann nicht gerade sagen, dass es diese Länder leicht hatten. Zuerst die Kolonialisierung durch die Nachbarländer, dann die französische Herrschaft, die japanische Invasion und letztendlich der amerikanische Krieg (außerhalb Asiens als Vietnamkrieg bekannt). Und das schlimmste: viele Menschen leiden heute noch unter den Konsequenzen des Krieges.

Der Geheime Krieg in Laos

Man hört immer nur vom Vietnamkrieg, aber selten vom laotischen Krieg. Wie können wir etwas über einen geheimen Krieg schreiben? Tatsächlich ist das Geheimnis um den Krieg, den Amerika in Laos geführt hat, heute zum größten Teil gelüftet. Dennoch hatten wir nie etwas davon gehört, bis wir nach Laos gekommen sind.

Laos wurde 1954 unabhängig, nachdem die Franzosen sich zurückgezogen hatten. Aber schon ein Jahrzehnt später wurde das neutrale Land in einen Krieg gezogen, der nicht seiner war.

Bombing data of the US Airforce during the secret war, region Xieng Khouang & Ho Chi Minh Trail

Bombardierte Zonen: im Süden der Ho-Chi-Minh Pfad, im Norden die Provinz Xieng Khouang

Der Ho-Chi-Minh Pfad, von den Vietnamesen benutzt, um die Vietcong mit Soldaten, Waffen und Essen zu versorgen, verlief auch durch Laos und wurde von den Amerikanern stark attackiert. Aber nicht nur der Ho-Chi-Minh Pfad wurde bombardiert, sondern auch  über anderen, angeblich unbewohnten, Regionen im Norden Laos’ wurde Bombenlast (auf dem Rückflug von Vietnam) abgeworfen. Dies geschah oft aus geringer Höhe, so dass viele Bomben nicht explodiert sind. In den Jahren 1964-1973 haben die USA so etwa 250 Millionen Bomben auf ganz  Laos geschmissen. Das macht es zu einem der meist bombardierte Länder der Weltgeschichte. Von all diesen Bomben waren ca. 30 % Blindgänger (UXO = Unexploded Ordnance), welche seit dem überall im Land verteilt auf oder unter der Erde liegen.  Das heißt, in Laos finden sich heute noch fast 75 Millionen scharfe Bomben, welche bei der kleinsten Berührung explodieren können. Außerdem verhindern die UXO, dass Bauern ihre Felder erweitern und dass Gemeinden Brunnen graben. Aus eigener Erfahrung wissen die Menschen dort, dass es gefährlich ist, neues Land zu betreten. Viele Ressourcen sind so nicht, oder nur unter Lebensgefahr, zugänglich und Land und Menschen bleiben unweigerlich arm. Auch spielen Kinder manchmal mit gefundenen Bomben, ohne die Gefahr zu erahnen. Andere wissen darum, aber riskieren ihr Leben, weil sie das Metall verkaufen müssen (für 0,20 $ Cent pro Kg), um die Familie zu ernähren. Wieder andere recyceln die Teile und benutzen sie für Alltagsgegenstände oder gar als Dekoration.

A Bomb collection Bomb used as a flower-box

Bomb used as a rubbish binBombs used for house-dekoration

Die Mines Advisory Group (MAG),welche zur Zeit die Bomben in Laos entschärft, schätzt, dass es noch über einhundert Jahre dauern wird, um das gesamte Land zu säubern! Bis dahin werden sich weiterhin jeden Tag unschuldige Menschen schwer verletzten und sterben.

Man hört immer nur vom Vietnamkrieg, aber nicht vom laotischen Krieg, weil dieser lange Zeit ein Tabuthema war, sowohl in Amerika, als auch in Laos selber. Deshalb spricht man heute vom ‘Geheimen Krieg’. Nicht nur hat Amerika während des Vietnamkrieges „nebenbei“ Bomben auf Laos geschmissen, sondern zusätzlich hat die CIA die Hmong, eine Volksgruppe in Laos, im geheimen ausgebildet, bezahlt und mit Waffen versorgt. Die Hmongs haben auf der Seite der Amerikanern gegen die kommunistische Bewegung in Laos (die Pathet Lao) und gegen nordvietnamesische Truppen gekämpft. Nach dem Krieg wurden sie von den Amerikanern einfach fallen gelassen und von der kommunistischen, laotische Regierung als Verräter unterdrückt und verfolgt. Es blieb ihnen nichts anderes übrig als zu fliehen. Sie haben sich in den Dschungel und die Berge zurückgezogen und viele sind an Krankheit oder Hunger gestorben oder sind in Umerziehungslagern verschwunden. Und heute? Uns scheint, dass in Laos noch viele Informationen verschwiegen werden. Die wenigen Journalisten, die es riskiert habe, illegal die Hmong zu treffen, berichten von schwachen, kranken und hungernden Menschen in den entlegensten Ecken von Laos. Sie können nirgends lange bleiben, keine Häuser bauen oder Landwirtschaft betreiben. Sie haben nicht einmal genügend Munition, um ihre Frauen und Kinder zu verteidigen, die beim Wurzeln sammeln von Soldaten angegriffen werden. Sie werden gejagt. Ihr einziger Fehler: sie sind Kinder und Enkelkinder von ehemaligen Guerillas, die gegen Vietnam und Laos für Frankreich und Amerika gekämpft haben. Die ersteren töten sie und die letzteren lassen sie im Stich.

Ein Brief mit der Bitte um Hilfe, den ein Reporter von den Hmong mitbrachte, blieb 2005 ohne jegliche Folgen:

Betreff: Bittgesuch ums Überleben.

Weil wir auf der Seite der Amerikaner am Vietnamkrieg teilgenommen haben

Weil wir den Franzosen in ihrer Zeit geholfen haben,

Und weil wir unserem Anführer General Vang Pao gefolgt sind,

Ertragen wir immer noch, in diesem Jahr 2005, die Last all der Pein der Vergangenheit

Wir sind am Ende unserer Kräfte. Wir sterben vor Hunger. Wir sind dem Töten wehrlos ausgeliefert.

So bevollmächtige ich Cyril und Grégoire, in unserem Namen, diese beiden Bittgesuche den entsprechenden Regierungen zu übergeben.

Erstens: uns Kleidung Lebensmittel zukommen zu lassen und Druck auf die laotische Regierung auszuüben, einem Waffenstillstand zuzustimmen.

Zweitens: unseren Transfer in andere Länder durchzuführen

Wir sind die Opfer vergangener Kriege

Danke. Unterzeichnet CIA Gruppe Nummer drei

Frei übersetzt nach http://fr.wikipedia.org/wiki/Conflit_hmong#L.27appel_au_secours

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Lest auch Teil  2 – Die Roten Khmer und Pol Pot in Kambodscha

Teil 3 – Der Vietnam-Krieg

und das Fazit

unserer Reihe über die Kriege in Indochina.

 

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3 Responses to “Indochina, eine traumatische Vergangenheit, Teil 1: Laos”

  1. […] Vientiane ging ich in ein Museum über den Geheimen Krieg in Laos. War echt krass was die Amerikaner da angestellt habe. Ebenfalls brachte ich mein Roller […]

  2. Thomas Schaerer sagt:

    >In den Jahren 1964-1973 haben die USA so etwa 250 Millionen Bomben auf ganz Laos geschmissen.

    Ich habe dazu kürzlich eine TV-Reportage auf ARTE-TV gesehen. Es geht dabei um eine Gesamtsprengkraft von 7.1 Megatonnen TNT, mehr als alle Bombenabwürfe in Deutschland und Japan im 2. Weltkrieg.

    Meine Frage ist: Stimmt es wirklich, dass durch diese US-imperialistischen Bombenteppichen die Bevölkerung von etwa 60 Millionen auf 6 Millionen reduziert wurde?

    Wenn das stimmt, muss man bezüglich Genozid den rational-logischen Schluss ziehen, dass das Kennedy-Amerika 10 mal scheusslicher war als das Hitler-Deutschland, das „nur“ 5 Millionen Juden tötete.

    Ich bitte Sie höflich um eine kurze Antwort, und wenn es geht mit Quellenangaben.

    Freundliche Grüsse
    Thomas Schaerer aus CH
    10.08.2014

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