„Das wird die Nacht der Nächte, es wird unvergesslich. Ich werde hohe Erwartungen haben und wie immer zu Silvester, werden wir uns streiten.“ Das ist was ich zu Sonia gesagt habe, nur im Scherz und um Björn zu ärgern. Seit dem 26.06.2003 sind wir zusammen, seit acht Jahren sind wir ein Paar. Acht ist meine Lieblingszahl und das wird gefeiert! Und übrigens Sonia ist meine Schwester, die uns zum zweiten mal auf unserer Weltreise begleitet, dieses mal in Indonesien. Dieses Land ist wunderschön, aber stressig und schwer zu bereisen. Der Transport dauert Ewigkeiten. Es gibt nur gnadenlos überfüllte Landstraßen. Zwei Tage vorher waren wir in Kuta, der bekannteste Ort auf Bali, der bekanntesten Insel Indonesiens. Ich war schwer enttäuscht. Es ist kein Traumstrand, es gibt zu viele Menschen, Stau überall. Es war ein Alptraum und wir haben uns nicht wie auf einer Insel gefühlt. Also haben wir uns entschieden am 25. Juni nach Gili zu fahren, einer kleinen Insel in der Nähe von Lombok, ohne Autos oder Motorräder. Ah.. wunderbar!

Aber der 25 war ein Horror. Wir sind um 5 Uhr 20 aufgestanden und waren um 6 fertig abgeholt zu werden. Wir haben eine Stunde gewartet, sind bis Acht Uhr im Minivan gefahren, um wieder eine Stunde auf die Fähre zu warten. Warum zur Hölle sind wir so früh aufgestanden? Ich war den ganzen Tag genervt und habe mich mit meiner Schwester gestritten. Nach dem Boot kam wieder ein Bus und nochmal eine Stunde auf die nächste Fähre warten. Wir hätten um 15.00 ankommen sollen, aber statt dessen waren wir um 18.30 auf Gili Trawakan. Gerade nach Einbruch der Dunkelheit. 12 Stunden Reise! Aber warum haben wir dieses verdammte Slow Boat genommen (na klar, um zu sparen)! Und wir hatten nicht mal einen Platz zum schlafen. Der pure Alptraum! Nach mehreren Versuchen hatten wir ein Hotel für uns drei gefunden und ich bin erschöpft und mit Tränen in den Augen aufs Bett gefallen. Trotzdem, Gili schien herrlich zu sein, selbst in der Dunkelheit. Es ist ruhig. Es gibt nur Fahrräder und Kutschen. Das tut gut und trotzdem gibt es viele Bars, Restaurants und eine tolle Stimmung. Einfach großartig!

Am nächsten Tag, nach einer unruhigen Nacht, konnte ich noch die Wirkungen des Vortages spüren. Björn hat sich den Morgen verabschiedet, um etwas zu besorgen. Ich habe ihm gesagt: „Aber nein, wir schenken uns nichts, ein schönes Restaurant und der Strand sind genug.“ Und er hat geantwortet, dass er nur den Abend vorbereiten will. Okay, also habe ich die Zeit genutzt, um zu duschen, mich zu epilieren, Maniküre und Pediküre zu machen und all den anderen Mädchenkram. Drei Stunden später war er wieder da. Naja, der Tag wird kurz sein. Mein Plan war es gewesen auf die Insel Meno, die Insel der Flitterwochen zu fahren, ruhig, verlassen und nur 1 km von unserer Insel entfernt. Fast nah genug um rüber zu schwimmen. Aber es war schon zu spät. Es fährt nur ein Boot morgens und eins am Abend nach Meno und außerdem ist es zu teuer.

Ich war noch dabei mich über die Touristenfallen zu ärgern aber gut man muss sich wohl mit dieser touristischen Insel zufrieden geben müssen und versuchen einen ruhigen Strand auf der anderen Seite der Insel zu finden, um den Sonnenuntergang zu beobachten und den Blicken der Massen (und Sonia) zu entfliehen. Wir hatten nichts geplant und wir konnten keine Kutsche finden und ich dachte mir, dass alles nur in die Hose gehen kann. Es war schon 15 Uhr und die Sonne geht hier schnell unter. Pff. Letztlich sind wir doch noch angekommen. Der Strand war weniger schön, aber leer und nach und nach wurde unsere Stimmung besser. Wir haben ein Pick-nick gemacht, waren schwimmen, haben Karten gespielt (ich habe zwei mal verloren *heul*) und auf den Sonnenuntergang gewartet, der sich Zeit gelassen hat in einem Himmel, welcher immer bedeckter und bedeckter wurde. Und dann, ein kleiner Riss in der Wolkendecke und die Sonne hat wie Feuer gestrahlt und sich im Wasser gespiegelt. Wir hatten nicht mehr daran geglaubt. Atemberaubend!


Wir haben unter einem Regendach gesessen, ein paar romantische Lieder gehört und sind dann mit der Kutsche zurück gefahren. Da mussten wir uns beeilen. Duschen, ein Kleid anziehen, schminken und schon ging es wieder raus fürs Abendessen. Ich habe mich wirklich gefragt, wohin Björn mich wohl bringen würde. Nach der Kutsche, hat er mir gesagt: „Wir müssen noch zu einem Ort laufen, an dem es keine Straßen gibt“. Aha. Wo führt er mich nur hin? Der Strand war nicht beleuchtet und wir mussten eine Taschenlampe benutzen, um den von Muscheln gesäumten Weg zu sehen. Wir sind an ein paar leeren Bars und Restaurants ohne Stimmung und Musik vorbei gekommen, bei denen ich nur gehofft habe, bitte nicht hier! Vielleicht essen wir auf einem Boot? Das wäre nicht schlecht! Irgendwann haben wir Lichter gesehen. OK, eine Pizzeria. Nicht toll für eine romantische Zweisamkeit, aber wenigstens eine nette Atmosphäre. Aber es war nicht die Pizzeria, sondern der Ort nebenan. Ein Lokal mit kleinen Plattformen aus Bambus direkt auf dem Strand. Auf jeder gab es einen Tisch und zwei Sitzkissen. Auf dem Sand brannte ein Lagerfeuer und im Hintergrund lief Gipsy King. Mehrere Pärchen saßen schon an den Tischen und aßen und tranken. Nicht Luxuriös, aber gemütlich und ein schönes Ambiente. Ich habe mein Getränk ausgesucht und Björn hat mir gesagt, dass das Essen schon bestellt war. Wow, nicht schlecht! Ich liebe es, mich überraschen zu lassen! Heimlich habe ich auf gegrillten Fisch gehofft. Aber es kam mehr. Nach dem Salat, schon etwas spezielles, was wir nur selten auf unserer Reise gegessen haben, gab es für jeden von uns eine Seafood-Platte: Gegrillte Königsgarnelen, ein kompletter Tintenfisch, größer als ich je einen gesehen habe und Fisch. Der Teller Pommes dazu durfte natürlich nicht fehlen. Von da an haben wir nicht mehr gesprochen, so beschäftigt waren wir mit unserem Festmahl, so besonders im Leben eines Backpackers.

Pink sunset

Nach dem abschließenden Fruchtsalat, konnten wir nicht mehr. Ich war voll, glücklich und hatte meine Augen geschlossen vor diesem friedlichen Strand. „Du schläfst doch jetzt nicht?“ Björn war total nervös. „Warum nicht? Ich hab so viel gegessen. Führst Du etwa noch etwas im Schilde?“ „Nach dem Essen sollst Du ruhn‘, oder tausend Schritte tun“ war seine Antwort. „Aber wenn ich die Wahl habe bleibe ich liegen“ Björn war ungeduldig: „Komm schon, tu mir den Gefallen“ OK, nun gut. Also musste ich diesen schweren und mit intensiver Verdauung beschäftigten Körper bewegen. Ich hoffte nur, dass es nicht zu weit war. Wie ich ihn kannte wollte er mir die Sterne zeigen oder so was, oder vielleicht hat er noch ein Geschenk für mich? Das ist blöd, ich habe nichts für ihn. Schon konnte ich Lichter im Sand sehen. Oh, cool, er hat mir wieder etwas mit Kerzen geschrieben, wie in unserem ersten Jahr, aber es hatte diesmal keine Herzform. Ist es etwa ein Willst-Du-Mich-Heiraten Ding? Zum Glück nicht, das wäre zu viel. Statt dessen gab es einen kleinen Gang mit einem Kreis am Ende und in der Mitte Kissen, um sich zu setzen. Ich war zu gerührt. Ich hatte nicht so viel erwartet! Dann sagte er: „Ich wusste nicht, was ich dir schenken soll, also habe ich das gemacht, was ich am besten kann: Geschichten schreiben“ Er holte ein paar gedruckte Seiten aus dem Rucksack mit einer großen „8“ auf der Rückseite. Das war es also, was er am Morgen am PC tippen musste, während ich noch schlief. Entspannt habe ich mich zurückgelehnt und zugehört. Er hatte acht kurze Geschichten geschrieben mit Personen mit je acht unseren Eigenschaften. In der letzten Geschichte, ging es um einen Politiker, der den Menschen alles Mögliche wundervolle verspricht. All diese Sachen hatten auch wir uns in irgendeinem Moment unserer Beziehung schon versprochen. Am Ende sagte Björn, dass der Politiker nur 7 Dinge versprochen hatte und das noch ein Versprechen fehle. Ich habe mich also an den Text erinnert und an alle Versprechen und versucht raus zu kriegen, welches fehlen könnte. Er hatte davon gesprochen Kinder zu bekommen, das war es also nicht. Aber was war des Rätsels Lösung? Und während ich mir noch den Kopf zerbrochen habe, hörte ich seine zitternde Stimme, die mir sagte: „Möchtest Du meine Frau werden?“ Ich glaubte mich verhört zu haben. Björn ist sicher auf den Kopf gefallen. Der ganze Strand hat sich um mich gedreht. Björn und ich hatten schon öfter generell übers heiraten gesprochen, erst kürzlich, und immer hatten wir beide eine negative Einstellung gehabt. Wir wollten immer gerne noch eine Ewigkeit damit warten. Deshalb hatte ich das absolut nicht erwartet. Ich habe etwas gesagt wie: „Bist Du sicher? Ich glaube das nicht, das ist nicht möglich.“ Björns Hände zitterten und zogen meine Aufmerksamkeit auf sich. Er öffnete eine kleine Schachtel und leuchtete mit der Taschenlampe auf den Inhalt. Zwei wunderbare Ringe aus Weißgold mit einem kleinen Diamanten fanden sich darin. Oh la la, es ist ernst. Sie sind echt, nicht aus Schokolade. Schnell schloss ich die Box wieder um mich nicht wie alle Frauen vom Glanz der Steine blenden zu lassen. Das ist immer ein Teil des teuflischen Plans der Männer, um uns zum schmelzen zu bringen. Ich hatte das Gefühl, dass sich der Sand unter meinen Füssen einsagte. Und da merkte ich, dass Björn eine Antwort erwartet, jetzt! Wann immer ich mir diese Situation vorgestellt hatte, wollte ich antworten: „Nicht sofort, lass mich darüber nachdenken“ und in der Realität stotterte ich „Ich weiß nicht, das ist zu viel, bla bla bla“. Die Augen von Björn wurden feucht. Natürlich, wusste ich, ohne Zweifel, dass ich bis ans Ende meiner Tage mit Björn zusammen sein will und das ich ihn so liebte, dass ich ihm nicht so weh tun wollte, indem ich ihm sage, dass ich mehr Zeit brauche für den nächsten Schritt und außerdem war ich unter Schock. Ich antwortete also: „Ich liebe dich so sehr, dass ich dich sogar heiraten würde.“ Aber Björn schien mich nicht richtig zu verstehen. „Heißt das ja?“ Diesmal antwortete ich mit mehr Sicherheit. „Ich werde dich heiraten“.

Oh Mann! Das schwierigste für uns beide war geschafft. Wir hatten Tränen in den Augen. Wir haben noch die Hälfte der Nacht gesprochen und wir waren ehrlich zueinander. Für mich ist die Ehe und die Routine das Ende der Liebe. Aber wir werden es riskieren… eines Tages. Für den Moment ist es nur ein Versprechen. Den Tag, um es einzulösen, haben wir schon gewählt: der 26te Juni, aber noch nicht das Jahr. Wir haben es nicht eilig.

Diese Nacht, der 26.06.2011 in Indonesien war wirklich unvergesslich.

Maria

 

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8 Responses to “Unsere romantische Verlobung in Indonesien”

  1. françois sagt:

    ouah !
    Bravo !!!
    on attend donc avec impatience l’année de votre mariage !!!
    bisous de nous 3 (Sacha, Morgane et moi).

  2. Maria sagt:

    Vielen Dank Leute! Ich wollte unbedingt diesen Moment mit allen teilen.

  3. Sandra sagt:

    Traumhaft. Das klingt wie in einem schönen Liebesroman. Alles gute weiterhin. Sandra

  4. Sabrina sagt:

    Was eine schööööne Geschichte, ich gratuliere euch sehr herzlich!!! :-)

  5. Jule sagt:

    Huhu,

    wir haben euren Vietnam Reisefuehrer gefunden und bedanken uns ganz herzlich dafuer. Vietnams traumhafte Landschaft hat uns sehr beeindruckt, wenngleich die Menschen uns leider eher entaeuscht haben. Nun sind wir in Laos, was wir als echte Erholung empfinden! Alles Gute, Jule und Felix

    • Bjoern sagt:

      Hi Jule,

      freut mich zu hoeren, dass unser Buch in gute Haende geraten ist! :) Die eindruecke die jeder hat sind so unterschiedlich. Fuer uns war z.B. Vietnam komplett ein absolutes Highlight. Hoffe ihr geniesst den Rest eurer Reise!

      Bjoern

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