In der letzten Zeit ist es recht still gewesen auf Augen-auf-Reise, aber wir machen uns nach einer kreativen Pause nun ans Schreiben. Es ist drei Jahre her, dass wir über Australiens rote Erde gewandelt sind. Von Indonesien hatten wir den kürzesten Weg zum fünften Kontinent genommen und Darwin, ganz im Norden des Landes, angesteuert. Wie wir uns hier anpassen mussten, unsere Startschwierigkeiten und professionellen Abenteuer, und wie man uns als Fische (nach drei Tagen fängt’s an zu stinken) beschimpft hat könnt Ihr in dem Artikel „Australien – aller Anfang ist schwer“ noch einmal im Detail durchleben.

Marmukala Billabong

Wir hatten mit einigen kleinen Jobs versucht, die Reisekasse aufzubessern: Tuk-Tuk Fahrer für australische Touristen, die Nachts zu betrunken waren, um alleine von der Bar ins Hotel zu kommen. „No worries, mate“ ich bring dich nach Hause. Ein Gast war so schwer gewesen, dass das Tuk-Tuk bei einer leichten Steigung kaum mehr von der Stelle kam und er gar mit mir tauschen wollte. „No way“ ich mach meinen Job zu Ende! Sehr oft gab es gutes Trinkgeld. Auch haben wir beide Pferde-wetten verkauft und auf einer Gala im Casino Getränke serviert. Als uns dann unsere australische Gastfamilie vor die Tür gesetzt hat, waren wir gezwungen unsere Weiterreise beschleunigt. Wir haben unser Heim und Gefährt für die nächsten Monate gekauft. Einen gebrauchten Ford Falcon, mit fast 400 000 km auf dem Tacho, den wir „Rainbow Dream“ getauft haben, angelehnt an die Dreamtime der Aborigines. Wir konnten nun einiges an Barem sparen und schliefen in unserem neuen Auto. Allerdings wollten wir kein zweites mal erwischt werden und mussten wir uns Nacht für Nacht vor der Polizei verstecken, was gar nicht so leicht ist in einer Stadt. Außerdem mussten wir auch irgendwo duschen und kochen, wofür wir entweder bis zu einem Strand mit öffentliche Duschen gefahren sind oder uns in Hostels schleichen mussten.

Bis hierhin hatten wir nicht einmal die Zeit gehabt, Darwin zu besichtigen. Zwei Tage reichen hierfür vollkommen aus. Darwin ist keine Großstadt.

Was es in Darwin zu sehen gibt:

  • Mindil Beach und sein Sunset Maket (jeden Donnerstag und Sonntag Abend bei Sonnenuntergang):

Mindil Beach - Darwin

  • Eastpoint Reservat: hier haben wir unser erstes Wallaby in freier Wildbahn gesehen, ein echtes Ereignis:

First Wallabie at the East point

  • Den Nudistenstrand vom Casuarina coastal reserve, der Strand mit den meisten Menschen von ganz Darwin :-):

Nudist beach Casuarina coastal reserve

  • Das Museum and art gallery of the Northern Territorry – kostenlos
  • Der botanische Garten – kostenlos
  • Crocodylus Park: an der Kasse gab es niemanden der uns die 35 $ pro Person abnehmen wollte und so sind wir kostenlos rein gekommen. :-) Glück muss der Mensch haben! Und dann waren wir auch noch dreist genug uns für einen Job zu bewerben, aber sie suchten gerade nur freiwillige Helfer:

Crocodylus parc - guideBjörn keeping a crocodile

Darwin fing an uns zu klein zu werden und der Wind der Freiheit drängte uns in Richtung Woanders und so verließen wir Darwin, wo wir immerhin einen Monat verbracht hatten.

Um unseren „Rainbow Dream“ vor seinem langen Road Trip (3000 km durch die australische Wüste) zu testen, unterzogen wir ihn einem Härtetest und machten einen Kurztrip in den 250 km entfernten Kakadu Nationalpark, den größten Nationalpark des Kontinents, welcher den Ureinwohnern gehört und für seine Felsmalereien bekannt ist. Wir waren voller Vorfreude; von der Freiheit kosten und uns auf das wirklich großes Abenteuer vorbereiten.

Die Straße scheint uns zu schmal für unseren Kombi, aber erst als uns der erste Roadtrain entgegen kommt wird es so richtig eng. Die Roadtrains können mit ihren Anhängern bis zu 53 Meter lang sein und fahren immer stur geradeaus. Stuart HighwayDa wir nicht so enden wollten wie die zahlreichen überfahrenen Kängurus, haben wir manches mal den klügeren gespielt und uns auf den Seitenstreifen gestellt. Abgesehen davon war das Fahren mit unserm neuen Automatik aber ein echter Genuss, selbst auf der linken Seite. Lange, gerade Straßen, wenig Verkehr und immer eine Hand frei zum Essen oder Trinken.

Es war gegen mitten in der Trockenzeit und der Kakadu Nationalpark war ganz ausgedorrt, mit jeder Menge, der für Australien so typischen Eukalyptusbäumen. Irgendwie haben wir „vergessen“ die 25 $ Eintritt zu bezahlen und sind gleich bis nach Marmukala durchgefahren, einem Sumpfgebiet, dass selbst zu dieser Jahreszeit noch feucht war und in dem zahlreiche Vogelarten Unterschlupf finden. Wir machten noch kurz beim Bowali visitor centre halt um Informationen über unser eigentliches Ziel zu sammeln, den Burdulba Campingplatz und den Nourlangie Rock. Man zahlt den Camping, indem man 5 $ in einen Umschlag legt und diesen in eine Urne wirft. Wir wurden so langsam zu Profis im nicht-zahlen und nahmen uns vor wo immer möglich kostenlos durchzukommen. Der Campingplatz ist einfach aber schön, ohne Duschen oder fließendes Wasser und es gibt einen ruhigen, einladenden Bach nicht weit entfernt. Es war das Warn-Schild (siehe Foto), dass uns davon abgeschreckt hat, uns im kühlen Nass zu erfrischen, obwohl wir es so sehr nötig gehabt hätten.

Dangerous animals

Wir haben also unser Zelt aufgebaut und uns erschöpft und hungrig ans Grillen gemacht. Zum Glück gibt es in Australien oft gut eingerichtete Grillplätze und an Brennmaterial fehlt es auch nicht. Es kann eigentlich nicht einfacher sein, ein Feuer anzuzünden, Euklyptus brennt so schnell, dass es fast Angst macht.

Campfire at Burdulba camping

Beim kochen wurden wir von tausenden Mücken angegriffen, sie schienen von überall zu kommen und, egal wo man hinblickte, man sah sie zu Dutzenden. Marias legs 'eaten' by mosquitoesNie hatten wir eine solche Konzentration von Mücken erlebt. Sie haben uns, oder um genauer zu sein besonders Maria, regelrecht massakriert. Und das, obwohl wir zweimal an diesem Abend unser, in Europa verbotenes, 70% DEET Anti-Mückenspray benutzt haben. In Europa sind maximal 30 % DEET erlaubt und bisher haben die 70% immer geholfen. Vielleicht sind die australischen Mücken anders, als die asiatischen und DEET resistent? Uns blieb nichts anderes übrig, als die Flucht ins Zelt.

Am nächsten Morgen, gleich nach dem Frühstück, machten wir uns daran, unser Mittagessen zu fangen, in dem nahen Bach. Wir haben wirklich kein Angeltalent und alles was wir gefangen haben, war der überhängende Ast eines Baumes.

Fishing with crocodiles

Aber dafür haben wir das Gebiss eines Baby-Krokodils gefunden, der endgültige Beweis dafür, dass das Warn-Schild nicht log. Vielleicht war es besser, dass wir keinen Fisch an der Angel hatten und man sollte dem gefährlichsten Krokodil der Welt, dem australischen Salzwasserkrokodile (Saltie) nicht das Essen klauen.

Beim Nourlangie Rock haben wir unsere ersten Aborigines Felsmalereien bewundert und den Erklärungen des Rangers gelauscht.

Aboriginal painting on Nourlangie Rock

Außerdem hat Maria sich hier auf klassisch indische Art eine improvisierte Dusche in den Toiletten gegönnt: mit Eimer und kaltem Wasser. So konnte sie sich zumindest kurzzeitig etwas Linderung von den vielen Mückenstichen verschaffen. Ich hab natürlich kaum was abbekommen von den Mückenstichen. Ist schon praktisch so ein natürliches Moskitoschutzmittel dabei zu haben. :-)

Nach dieser kleinen Pause ging es weiter zum Anbangbang Billabong (Billabong ist das Aborigine Wort für Wasserstelle, die niemals austrocknet). Hier haben wir den Nawurlandja Walkway genommen, welcher sich entlang des Billabongs und hoch zu einem Viewpoint schlängelt, mit einem herrlichen Blick über die australische Steppe bei Sonnenuntergang.

Nawurlandja Walkway viewpointNawurlandja Walkway - Kakadu Nationalpark in the sunset

Die Nacht haben wir auf einem nahe gelegenen Parkplatz verbracht und diesmal unser Auto mit Moskitonetz ausgestattet, ein Unterfangen, dass alles andere als unkompliziert war.

Camping in our car in Kakadu nationalpark

Am nächsten Morgen, schon um 6:30 Uhr, haben uns die ersten Sonnenstrahlen wachgekitzelt, aber wir waren bereits in bester Form. Es ist unglaublich wie schnell man seinen Lebensrhythmus ändert, wenn man nicht mehr von künstlichem Licht umgeben ist. Wir haben eine kleine Morgen-Spazierfahrt bis zur Gagudju lodge Cooinda unternommen, um eine Bootstour auf den Yellow Water zu machen, wo wir die Salties in ihrer natürlichen Umgebung beobachten wollten (66 $ pro Person). Während wir auf den Start unserer Tour warteten, sahen wir all die Australier das üppige, typisch australische Frühstuck mit Bohnen und gegrilltem Fleisch vertilgen und bekam so einen Hunger, das wir nicht anders konnten als uns, ganz diskret, selber über das Buffet herzumachen. Es war köstlich! Aber kein Wunder, dass die Australier nicht unbedingt als schlanke Nation bekannt sind.

Free breakfast at the Gagudju Lodge CooindaAussie Breakfast

Mit vollem Magen konnten wir die Bootstour beginnen und waren wirklich froh die 66 Dollar investiert zu haben. Wir haben ein gutes Dutzend der Krokodile von ganz Nahem gesehen ebenso wie eine ganze Reihe von Vögeln, die schnell oder stark genug sind um in Ihrer Nachbarschaft zu leben. Wir hatten uns vorgenommen auch hier nach einer Stelle zu fragen, aber die zuständige Person war nicht da und ein Bewerbungsschreiben abzugeben bringt bei solchen Jobs nichts.

Yellow Waters - wild saltwater crocodileBirds in Yellow Waters

Bevor wir weiter fuhren, entdeckte ich noch einen Container mit Eiswürfelsäcken, wovon ich gleich mal einen für unsere Kühltruhe einpackte. Das die 4 Kilo Säcke nicht gratis waren, habe ich leider erst zu spät gemerkt… Schon wieder eine dieser glücklichen Fügungen, die uns in Australien andauernd begegneten. :-)

Apropos Glück. In den Yellow Waters darf man auch angeln, was wir vor dem Heimweg nach Darwin dann auch nochmal versucht haben. Und wieder ohne Erfolg. Keine Ahnung, was wir falsch machen, der Typ neben uns hat nach nur 10 Minuten einen enormen Barramundi an Land geholt, gemessen und wieder zurück zu den Krokodilen geworfen. Warum? Erst ab 55 cm Länge hätte er ihn behalten dürfen, nur um ein paar Millimeter daneben.

Zurück in Darwin, den Auto-Test bestanden, haben wir uns auf das wirklich große Abenteuer vorbereitet: 3000 km durchs Outback. Das hieß eine echte Dusche nehmen, Volltanken, Milchpulver und Müsli kaufen, Eis für die Kühltruhe, frisches Essen für 2-3 Tage, Dosen- und Trockenfutter für den Notfall und vor allem jede Menge Trinkwasser! Auf geht’s lang ersehnte Leere, wir kommen.

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2 Responses to “Darwin und der Kakadu Nationalpark”

  1. […] wenn der Kakadu Nationalpark, den wir vor Beginn unseres Road Trips besichtigt hatten, mit seiner einmaligen Aborigines Kunst und Kultur punktet, hat uns der Litchfield NP doch […]

  2. Ulrich sagt:

    Dieses Land hat mich auch damals fasziniert, im Moment spare ich noch, aber es dauert nicht mehr lange, dann habe ich alles zusammen. Denke das ich im Juni reisen werde und dann wird auch dieser Kakadupark mal zu meinen Zielen gehören.

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