Vom Top End ins Red Center (1843 km)

Wir sind bereit fürs Abenteuer! Am 16 August 2011 beginnen wir unseren langen Road Trip quer durch Australiens Wüste. Mit Karte und Kompass bewaffnet geht es vom tropischen Norden durch das Rote Zentrum bis in den fruchtbaren Süden. Die Richtung ist klar, es gibt nur eine Straße, die Darwin und Adelaide verbindet: den Stuart Highway, der auf seinen 2834 km jede Menge Abenteuer und Überraschungen bereit hält.

1. – Das Top End

Von Darwin in den Litchfield Nationalpark (163 km)

Welch eine Freude es ist, durch die endlosen Weiten zu fahren! Sobald man die Stadt verlässt, umgibt einen die Einsamkeit und der Blick auf das Handy bestätigt es: kein Netz mehr, für die nächsten 1000 km. Jedes mal, wenn wir eine größere Stadt verlassen, warnen wir unsere Familien, dass sie die nächste Woche nichts von uns hören werden. Was für ein Unterschied zu unserem Aufenthalt in dem, aus allen Nähten platzenden, Asien.

Wir stellten uns den Stuart Highway, als eine schnurgerade Linie vor, aber in Wirklichkeit hält er neben sanften Hügeln sogar gelegentliche Kurven bereit, der Abwechslung halber.

Bei der Ankunft im Litchfield Nationalpark wird man von seltsam geformten Gebilden begrüßt, den Magnetic Termite Mounds. Zu hunderten wurden diese Hügel von Millionen fleißiger Kompass Termiten nebeneinander gereiht und mit mathematischer Präzision von Norden nach Süden ausgerichtet, um der prallen Mittagshitze zu entgehen.

Termitenhügel AustraliensHügel der australischen Kompass-Termite

Für seine Besucher hält der Park ein paar äußerst angenehme Alternativen zur Auswahl bereit. Das Buley Rockhole hat uns beim Sonnenuntergang zum Planschen im Wasserfall eingeladen und zog auch eine Schlange an, was einige Badende verängstigte; in Australien weiß man ja nie so recht, welches Tier gefährlich ist. Am nächsten Tag haben wir eine ganze Reihe anderer Wasserfälle auf unserer Wanderung durch die grüne Hitze des Parks getestet: die Florence Falls, die Tolmer und schließlich die Wangi Falls. Der eindeutige Testsieger war… eindeutig nicht zu ermitteln; alle waren herrlich.

Wangi Falls Wasserfall in AustralienTolmer Falls Wasserfall in Australien

Auch wenn der Kakadu Nationalpark, den wir vor Beginn unseres Road Trips besichtigt hatten, mit seiner einmaligen Aborigines Kunst und Kultur punktet, hat uns der Litchfield NP doch besser gefallen. Er ist kleiner und einfacher zu erkunden, quillt nur so über vor wucherndem Grün und vor allem muss man sein Blut an weit weniger Mücken verteilen.

Die Nacht haben wir auf dem Park eigenen Campingplatz verbracht und glücklicherweise hat niemand kontrolliert, ob wir auch brav das Geld in den Briefkasten geworfen hatten. 😉 Dabei bekamen wir einen ersten Vorgeschmack auf die kommenden Wochen und gewöhnten uns schon mal an Kompost produzierende Trockentoiletten, die zwar der Wasserknappheit in der Wüste Rechnung tragen, deren „Rosenduft“ aber auch wie ein Magnet auf Insekten wirkt.

Auf den letzten einhundert Kilometern des Tages sind wir mal wieder einem dieser beängstigen Road Trains begegnet. Auch der Anblick der vielen überdimensionalen zerrissenen Reifen, die selbst in Bäumen am Straßenrand hängen, ist nicht gerade beruhigend.

Outback - Reifen im BaumGeplatzter Reifen eines Road Trains

Wir sind an einem Rastplatz angekommen, der zwar nur ein Parkplatz neben dem Highway war und keine Toilette hatte. Aber zum ersten Mal durften wir ganz legal umsonst in unserem Ford Falcon „Rainbow Dreams“ schlafen.

Allerdings hatten wir an diesem Abend keinen Grillanzünder parat und brauchten satte drei Stunden um unser Feuer zu entfachen. Das ist ein anderes Erlebnis als die Mikrowelle zu hause! Von diesem Tag an hatten wir immer eine Tüte mit dem besten australischen Anzünder dabei: Eukalyptus-Blätter.

2. – Die unglaubliche Tierwelt Australiens

Vom Litchfield- zum Nitmiluk- Nationalpark (340 km)

Am kommenden Tag haben wir uns auf den Weg zum Nitmiluk Nationalpark gemacht, dessen Landschaft immer noch eher tropisch als trocken ist. Am Eingang des Parkes gab es zu unserer Freude heiße Duschen und Strom und so haben wir nach einem Kopfsprung in die Edith Falls Wasserfälle noch kurz von der Zivilisation profitiert.

Wir sind dann weiter bis zu Katherine Gorge gefahren, wo wir am späten Nachmittag ankamen. Unterwegs haben wir immer wieder überfahrene Kängurus gesehen, ein Beweis dafür, mit welcher Gnadenlosigkeit die Road Trains fahren.

Auf dem Parkplatz des Visitor Centers wurden wir von neugierigen Wallabies begrüßt, die sich mit einem Stück Karotte ganz nah anlocken ließen. Die Sonne war bereits dabei unter zu gehen und wir entschieden uns, nur die kurze Wanderung bis zum Baruwei Lookout zu machen.

Es war ein einmaliges Erlebnis, ein unglaubliches Spektakel, das wir nie vergessen werden. Sobald die Sonne verschwindet, strömen tausende kreischende Flughunde gleichzeitig die Schluchten des Katherine Flusses entlang. Wunderschön, surrealistisch und etwas beängstigend. Bevor wir uns auf den Rückweg machten, genossen wir noch so lange wie möglich den Ausblick.

Auch wenn man nicht mehr viel sehen konnte, wollte ich keine Taschenlampe benutzen. Plötzlich bleibe ich wie angewurzelt stehen. Ich sage nichts und hole langsam den Fotoapparat aus der Tasche. Im Blitzlicht sehen wir einen seltsam geformten, armdicken Ast auf dem Weg liegen. Erst als ich doch die Taschenlampe anmache, wird uns klar: dieser Ast, auf den ich fast getreten wäre, ist der Schwanz von etwas größerem. Sehr viel größer, 3 oder 4 Meter groß, um genau zu sein. Die größte Schlange, die wir je gesehen haben. Was sollen wir bloß machen? Wahrscheinlich ist sie nicht giftig, aber sie ist definitiv groß genug, um uns zu erwürgen, wenn sie denn Hunger hat. Zum Glück war ihr Kopf bereits weit vom Weg entfernt in einer Felsspalte verschwunden. Dennoch haben wir lieber gewartet, bis die Schlange den Weg freimacht und sind – diesmal mit Licht – zum Parkplatz zurück geeilt.

Olive Python - wilde SchlangeOlive Python - australische Würgeschlange

Nach diesem Adrenalin-Schock waren wir etwas paranoid, so dass uns selbst ein paar dutzend riesige, ekelhaft glitschige Kröten Angst einjagen konnten. Den Abend haben wir auf den Toiletten des Parks verbracht, um von Licht und Strom zu profitieren und die Fotos der letzten Erlebnisreichen Tage zu sortieren.

Auf dem Weg zu einem nahe gelegenen Parkplatz für unsere Nachtruhe haben wir noch ein weiteres animalisches Abenteuer erlebt. Zusammengerollt auf der Straße lag eine Schlange, sehr viel kleiner als die vorherige, aber mit bunten Streifen, was meist kein gutes Zeichen ist. Trotzdem steige ich aus und traue mich ganz nah heran, um sie zu fotografieren.

Es ist nicht empfohlen nachts zu fahren, da die Gefahr eines Känguru-Zusammenstoßes zu groß ist. Tatsächlich ist es schwer sie in der Dunkelheit zu sehen, oft sind es nur ihre funkelnden Augen, die einen warnen. Auf den 10 Minuten Fahrt haben zwei von ihnen nicht weit vor unserem Auto hüpfend die Straße überquert. Mit all den Tieren, die wir in nur einer Stunde gesehen haben, könnte man sich fast wie in einem Zoo fühlen, mit dem einzigen Unterschied, dass es hier keine Gehege gibt. Es ist wirklich einzigartig!

Am nächsten Tag wollten wir dann aber doch wissen, womit wir es in der Nacht zu tun hatten. Die erste Schlange, die gigantische, war eine Olive Python, ungefährlich für den Menschen. Aber im ernst, wer hätte sie davon abgehalten, wenn sie entschieden hätte einen von uns zu erwürgen? Die zweite Schlange, die bunte, war wohl entweder eine Pseudonaja (brown snake) oder eine Nachtbaumnatter (tree snake), wobei die erste eine der giftigsten Schlangen der Welt ist, deren Gift selbst in kleinsten Mengen für einen Menschen tödlich ist. Den Ranger stört es nicht weiter, dass ich bis auf einen Meter an die Schlange heran geschlichen bin und nirgendwo gibt es Informationen über die lebensgefährlichen Tiere der Region. Schon irgendwie verrückt diese Australier. Zur Abwechslung haben wir dann eine fünf-stündige Wanderung durch den Butterfly Gorge gemacht. Schmetterling hört sich doch harmlos an. Tatsächlich gab es nur ein paar der Flattertiere zu sehen und aus dem Wasser, in welches ich mich sofort zum Erfrischen stürze, beobachtet uns nur eine gemütliche Schildkröte. Keine Schlangen oder sonstiges mörderisches Getier zu sehen!

Bei aller Gefahr haben wir unsere Angst fast genossen, da sie richtig und wirklich erscheint. Wenn man echte Sorgen hat, wie genug zu Essen oder zu Trinken zu haben, an einem sicheren Ort zu schlafen oder vor Tieren und Elementen geschützt zu sein, also gesund zu bleiben und zu überleben, dann fühlt man sich weitaus lebendiger als wenn man sich um so abstrakte Dinge wie Probleme bei der Arbeit sorgt. Ein Road Trip in Australien kann eine wahre Anti-Stress-Therapie sein.

3. – Ein paradiesischer Fleck Erde

Vom Nitmiluk Nationalpark nach Mataranka (142 km)

Am Abend des gleichen Tages sind wir in Mataranka angekommen, welches bekannt ist für seine heißen Quellen. Wir haben auf dem Rastplatz der Bitter Springs gleich neben der kleinen Stadt mit seinen 250 Einwohnern geschlafen. Schon in Darwin hatten Freunde uns erzählt, dass wir im Outback automatisch mit dem Sonnenuntergang, spätestens aber um 21 Uhr einschlafen würden, aber wir wollten es nicht wirklich glauben. Und doch, seit dem ersten Tag unseres Road Trips hat sich unsere biologische Uhr an den Sonnenrhythmus angepasst. Nicht nur das fehlende Licht, sondern auch die Kälte hat uns früh unter die Decke getrieben. Die Nächte wurden immer kälter und es war mittlerweile nur noch 5°C im Auto.

Um die kalten Knochen zu wärmen, sind wir am frühen Morgen bibbernd in die Bitter Springs gestiegen. Diese natürliche Badewanne hält das ganze Jahr über Wasser von 36°C bereit und ist dabei perfekt durchsichtig. Ein kleines Stück Paradies umgeben von tropischer Natur! Kein Vergleich zum professionell ausgebauten und weit weniger zauberhaften Mararanka thermal pool, den wir danach noch gesehen hatten.

4. – Die Weite des Outback

Von Mataranka nach Tennant Creek (550 km)

167 km weiter südlich haben wir eine Pause im berühmten Daly Waters Pub im abgelegenen Busch eingelegt um, gegen 13 Uhr, das wohl reichhaltigste Frühstück der Welt zu genießen. Für 25 $ bekommst du eine enorme Portion Proteine und Kalorien, die dich im Nu satt macht.

Als Alternative zu diesem typisch australischen Frühstück gibt es in nur 286 km Entfernung das nächste Mc Morning; nur um dir eine Idee der Ausmaße des australischen Kontinents zu geben.

Diese endlosen Weiten sind zum großen Teil gigantische Farmen, auf denen sich das Vieh in absoluter Freiheit bewegt. Die größte von ihnen hat eine größere Fläche als Israel und die Straßen, auf denen man immerhin 100 km/h fährt, durchqueren das Farmland ohne Zäune. Allerdings schützt Freiheit vor Dummheit nicht. Wenn du ein paar Rinder friedlich am Straßenrand grasen siehst, bremst du besser ab, denn du kannst fast sicher sein, dass eines von ihnen im letzten Moment erschrocken in den Busch flieht… auf der anderen Straßenseite. Ein zweites wird dann entscheiden, dass es seinen Bruder nicht alleine lassen kann und ebenfalls selbstmörderisch vor dein Auto springen. Und sobald du anfängst zu Hupen werden von überallher weitere Kühe kommen, um die Straße zu passieren und dich daran hindern weiter zu fahren. Die australischen Rinder sind vermutlich die dümmsten, die man je gesehen hat.

Wilde Rinder AustralienAustralische Wildpferde

Wir haben das Selbe auch mit Wildpferden beobachtet, nur das diese dabei wenigstens elegant wirken. Selbst Kängurus lieben es über die Straße zu springen, aber nur in weiter Ferne, bisher…

Wir sind noch weitere 152 km bis nach Elliott gefahren, aber anstatt weiter nach Tennant Creek sind wir 12 km über eine unbefestigte Straße zum Longreach Waterhole abgebogen.

Die Piste ist eigentlich nur für Geländewagen geeignet und ich bin sehr vorsichtig und langsam gefahren. Mit dem Fahrer eines Jeeps, der uns überholt hat, haben wir eine Vereinbarung getroffen. Wenn wir in einer Stunde nicht am See angekommen sind, würde er uns abholen.

Nach einer kleinen Ewigkeit sind wir schließlich angekommen und haben einen herrlichen Abend an diesem abgelegen Ort verbracht. Ein älteres Ehepaar hat uns Tipps zum Angeln und Feuer anzünden gegeben. Der Duft der brennenden Eukalyptus-Blätter, die wir als Flammmaterial benutzt haben, ist sehr viel stärker als jedes ätherische Öl und sein Geruch wird in mir immer die Erinnerung an diesen romantischen Billabong hervorrufen.

Tatsächlich könnte man mit einem Jeep noch ganz andere und weit abgelegenere Orte entdecken, aber auch mit unserem Ford Falcon hatten wir ausreichend Abenteuer zu bestehen.

Nach einer Nacht im Zelt, welches etwas mehr Komfort bietet als der Kofferraum, haben wir uns auf den Rückweg über die Sandpiste gemacht und sind unserem Weg bis nach Tennant Creek gefolgt, der Stadt der Goldsucher. Leider waren wir zu spät dran, um selber zu schürfen und die Minentour war uns zu teuer. Schade, dann würden wir wohl heute nicht mehr reich werden.

5. Schatzsuche

Von Tennant Creek über Gem Tree nach Alice Springs (648 km)

Da wir kein Gold suchen konnten, haben wir weitere 100 km zurückgelegt und uns mit einem anderen geologischen Schatz getröstet, den im Abendrot glühenden Devil Marbles. Diese immensen, runden Felsbrocken sind außerordentlich Fotogen, aber leider zu schwer, um sie als Souvenir einzupacken. Aber wer hat es wohl fertig gebracht sie hier abzuladen? Einer Aborigines Geschichte zufolge sind es Eier der Regenbogenschlage (Rainbow Snake), welche sie während der Schöpfung, der „Traumzeit“, hier gelegt hat.

Devil Marbles - heavy stonesDevil Marbles - Australia

Als hätten wir noch nicht genug surrealistische Eindrücke gehabt, haben wir, nur 25 km weiter südlich, Wycliffe Well besichtigt, der australische Campingplatz, an dem man UFOs sehen kann. Wir haben es allerdings vorgezogen einen sichereren Schlafplatz ohne Außerirdische zu suchen und sind erst in absoluter Dunkelheit und ohne Brennholz auf einer Rest Area angekommen. Die Nacht war bitterkalt.

Am kommenden Tag hatten wir eigentlich geplant nach Alice Springs durchzufahren. Unterwegs hat uns ein Schild das nächste Krankenhaus in 75 km angekündigt. Wir näherten uns wieder der Zivilisation (75 km im Outback sind wie 5 km in Deutschland). Aber nach 300 km unterwegs haben wir uns entschieden einen kleinen Abstecher von 70 km bis nach Gem Tree zu machen. Auf diesem außergewöhnlichen Campingplatz wollten wir das Glück fordern und versuchen endlich reich zu werden. Hier wird zwar kein Gold gesucht, aber immerhin Edelsteine.

So haben wir einen 10-Liter Eimer Erde mit einem Sieb in der Hand nach Granat-Edelsteine durchsucht. Wir haben ein paar kleine transparent-rote Steine gefunden, aber um sie schätzen zu lassen, mussten wir den kommenden Tag abwarten.

Also richteten wir uns nicht weit entfernt im Busch am Rande des Plenty Highway für die Nacht ein. Wir haben einen wundervollen Abend in Lagerfeueratmosphäre mit Rumpsteak, Grillkartoffeln und Chips verbracht und dabei einen Film auf unserem kleinen Netbook geschaut, ein wirklich seltenes Vergnügen auf unserer Weltreise.

LagerfeuerabendGrillen im Outback

Aber die Nacht war noch kälter als die vorherige. Zum Glück wärmt bereits der erste Sonnenstrahl das Auto, welches dann schnell zum Ofen wird.

Am nächsten Tag haben wir dann die Granate schätzen lassen, aber sie waren zu klein, um sie in ein Schmuckstück einsetzen zu lassen. Wussten wir doch, dass es nur eine Abzocke sein würde.

Immer noch Mittellos haben wir also die letzten Kilometer bis nach Alice Springs im Herzen der Wüste Australiens zurückgelegt und unterwegs den südlichen Wendekreis passiert. Alice Springs wird der Startpunkt unserer Entdeckungstour des unbezähmbaren Red Centers mit dem weltberühmten Felsen, dem Uluru, sein. Wir sind gespannt, was für Wunder uns hier wohl erwarten.

 

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