Es gibt Dinge über China, die man nicht im Reiseführer lesen kann. Diese kleinen Anekdoten des Alltags wollen wir euch heute näher bringen. Es ist von allem etwas dabei, durch alle Themen des Lebens. Lest einfach und staunt :)

  • Essensangewohnheiten

– Überall wo man sich in China aufhält, egal ob auf der Straße, auf der Expo oder (besonders häufig) im Zug, überall findet man Fertig-Nudeln. Und sie sind lecker! Die Chinesen sind wahre Künstler im würzen von haltbaren Nudeln. Wir haben es in sechs Wochen nicht geschafft alle Varianten zu testen.

a lot of instant noodlesafter boiled water wait 5 minuites

– Das Essen in China ist großartig. Leider weiß man oft nicht, was man isst. So lecker das meiste ist, so kann anderes richtig ekelig sein und es gehört zum Alltag des Reisenden, dass man manches beim besten Willen nicht zu Ende essen kann. Es gibt in China quasi keine Essens-Tabus. Hunde sind allerdings eher als Haustiere beliebt und wir haben nie welchen auf der Speisekarte gefunden. Nur in bestimmten Regionen wird Hund als Delikatesse angesehen. Aber auch hier landet nur eine spezielle Rasse im Kochtopf.

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Sehr beliebt bei den Chinesen: Kuhmagen. Wir habens probiert, es schmeckt ekelhaft

centenarian egg

Hunderjaehriges Ei (die gruene Masse)

– Die Supermärkte in China sind voll von Getränken, Süßigkeiten, Nudeln, Öl in 5 Liter-Kanistern und Enten in Vakuumverpackungen. Aber viel mehr gibt es dort nicht.

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– In China gibt es kein Frühstück, wie wir es erwarten. Sie essen dreimal täglich Nudeln und salziges Essen, was einem erst mal schwer im Magen liegt. In Hong Kong haben wir uns sehr gefreut endlich wieder Marmelade, Käse und Cornflakes kaufen zu können.

– Die Chinesen mögen keine kalten Getränke. Wenn man ein Wasser bestellt, bekommt man lauwarmes, also immer dazu sagen, wenn man es schön frisch kalt haben möchte. In einem Restaurant hat uns ein Kellner mal versucht zu überzeugen, dass kalte Getränke nicht gut sind, indem er es uns an den Arm gehalten hat. „Unangenehm, oder?“ Er muss uns ziemlich seltsam gefunden haben, als wir trotzdem das kalte wollten. Auch die Wasserspender in China sind nicht lauwarm und kalt, wie bei uns, sondern lauwarm und kochend heiß.

water dispenser with water warm and boiled

  • Verhalten der Chinesen

– Die Chinesen sind unglaublich neugierig. Sie interessieren sich für alles was wir machen und haben auch keine Scheu es zu zeigen. Sie schauen mit uns Fotos an, die wir gemacht haben, nehmen sich unseren Fotoapparat oder unseren Reiseführer ohne gross zu fragen. Aber immer mit einem freundlichen lächeln auf dem Gesicht.

– Man sagt auch, dass es in China außerordentlich wichtig ist, dass Gesicht zu wahren und auch jemand anderen bloß zu stellen, wirf ein schlechtes Licht auf einen selbst. Allerdings sind die Chinesen im Alltag sehr viel expressiver als wir es uns vorgestellt haben. In einem eher schicken chinesischen Restaurant haben wir einmal den heftigsten Streit miterlebt, den wir je in der Öffentlichkeit gesehen haben. Dabei ist eine ganze Familie aufgesprungen und hat laut geschimpft. Auf der anderen Seite haben sich die Kellner und Köche zusammen gerottet, aber anstatt sich zu entschuldigen (leider wissen wir nicht, was das Problem war) haben sie ordentlich mitgemischt. Beide Seiten haben sogar mit der Hand gedroht zu schlagen und haben sich gegenseitig geschubst. Die Situation war kurz davor zu eskalieren. Von wegen Gesicht wahren. Das ganze hat mehr an eine Szene aus dem gallischen Dorf von Asterix und Obelix erinnert. Es hat nicht viel gefehlt und es wären Fische durch die Luft geflogen.

– Chinesen stehen auf Kitsch. Überall sieht man Kinderkram und soll sich nicht wundern, wenn auch Erwachsene sich darauf stürzen. Niemand schämt sich T-Shirts mit Comic-Helden zu tragen oder seine Handys mit kleinen, baumelden Spielzeugen zu verzieren. Überhabt sehen sie viel jünger aus, als sie sind. Einmal haben wir in der U-Bahn ein Mädchen gesehen, dass sich lachend auf einen freien Platz gestürzt und dabei 10 Leute umgerannt hat. Erst als ihre beiden Teenager-Töchter dazu kamen, war uns klar, dass sie um die 40 Jahre alt gewesen sein muss. Lachen ist einfach eine wunderbare Methode sich zu entschuldigen. Selbst, als wir einmal fast von einem lachenden Motorrad angefahren wurden, konnten wir nicht wirklich sauer sein.

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In China findet man quasi nur abgefahrene Augenmasken

– Die Chinesen lieben es Fotos zu machen. Einmal haben wir von ein Foto gemacht von mir vor dem Expo-Maskottchen und sofort als wir fertig waren hat sich eine Schlange gebildet mit Chinesen, die die Idee toll fanden und das gleiche Foto machen wollten. Als wir drei Stunden später wieder am gleichen Ort vorbei kamen, hatte es noch nicht aufgehört und immer noch gab es eine Schlange um dieses Foto zu machen.

bjoern in front of HaiBao, the mascot of the Expo 2010 in Shanghai

Beim fotografieren sind sie alles andere als zurückhaltend und haben auch oft uns fotografiert. Besonders meine blauen Augen haben sie bewundert. Sogar ein junger Mann hat einmal gesagt: „you biitiful eyes“. Ganz das Gegenteil mit meiner Nase (die vielleicht ein Ticken größer ist als eine europäische Durchschnittsnase). Sie war immer wieder in der Lage, die Chinesen zu belustigen. Ein alter Mann mit langem weißen Bart, der kein Wort Englisch konnte, hat immer wieder seine Nase angefasst, gezeigt, wie sie groß wird und dabei herzhaft gelacht. Maria war kurz davor ihre Augen zu Schlitzen zu ziehen, aber: Respekt vor dem Alter.

– Die Babys in China haben oft keine Windeln an. Stattdessen erlaubt ein enormer Schlitz in ihren Hosen ihnen jederzeit und überall auf den Boden zu machen. Die Eltern brauchen ihnen dafür nur die Beine zu öffnen. Dabei können sie effizient verhindern, dass die Babys auf den Teppich oder auf die Kleidung machen. Woher die Eltern wissen, wann ihre Kleinen müssen, ist ein Rätsel was es noch zu lüften gilt. Und erkälten sich die Kinder nicht?

Pants with a ripchild with open pants zoom

– Die Chinesen spucken, und zwar aus voller Seele und ohne Zurückhaltung. Selbst kleine süße Frauen röcheln lautstark den Dreck aus ihrer Lunge und rotzen ihn in weitem Bogen auf den Boden. Wenn man dieses Geräusch, dass wie ein alter Motor klingt, in seiner Nähe hört, heißt es sich irgendwo in Sicherheit zu bringen. Dennoch wurde Maria einmal aus einem Auto heraus auf ihren nackten Fuß getroffen. Es heißt, dass die Chinesen gerne spucken, weil es den Körper und die Seele reinigt.

  • Politik

– In China sieht man überall Kontrollen. Kameras sind in China Alltag. Am Eingang zu Bahnhöfen, und Metros wird das Gepäck gescannt. Allerdings ist das oft nicht mehr als eine Farce, weil meist so viel los ist, dass die Kontrolle sehr Oberflächlich sind und der Körper nicht kontrolliert wird. Wollte man eine Waffe in den Bahnhof bringen wäre das mehr als einfach!

Auch das Internet ist in China nicht frei. Die Chinesen müssen ihren Personalausweis vorlegen, wenn sie ins Internetcafe gehen und manchmal dürfen Ausländer es gar nicht benutzen. In den Hostels hingegen gibt es quasi nie Probleme. Außerdem sind einige Websites zensiert. So ist Facebook nicht erreichbar (und die Chinesen kennen es auch nicht) und alle Websites, in denen Videos gepostet werden, wie z.B. Youtube sind gesperrt.

Sattelitenschüsseln sind in China verboten. Aber manche Chinesen haben heimlich trotzdem welche. Und ab und zu kann man auch ganz offen welche sehen

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– Die Chinesen sind stolz auf ihr Land. Sie lieben es mit China-Fähnchen durch die Gegend zu laufen und sie verehren Mao offensichtlich. Im (staatlichen) Fernsehen laufen rund um die Uhr pro-China Filme und Dokus. Auch die Nachrichten in China sind insgesamt ziemlich positiv. Ein Chinese-Franzose hat uns erzählt, dass viele Chinesen hinter verschlossenen Türen allerdings etwas Kritischer sind, als sie es auf der Straße zeigen. Andererseits haben wir auch gehört, dass manche Studenten in China noch nie vom Massaker am Platz des himmlischen Friedens gehört haben oder es für eine Erfindung des Westen halten.

– Wir haben beobachtet, dass die Eltern in China außerordentlich fürsorglich mit ihren Kindern sind. Das liegt vermutlich zum großen Teil an der Ein-Kind-Politik, die auch heute noch eine Rolle spielt (wenn sie auch etwas lockerer gehandhabt wird als noch vor einigen Jahren). So dürfen Familien ein zweites Kind bekommen wenn sie z.B. in ländlichen Regionen leben und das Erstgeborene ein Mädchen ist. Auch können sich reiche Familien das Recht kaufen ein zweites Kind zu bekommen. Ein Resultat dieser Politik ist, dass heute auf 120 neugeborene Jungen nur 100 Mädchen kommen, da Mädchen sehr viel öfter abgetrieben werden (auch wenn das Feststellen des Geschlechts mittlerweile verboten ist). Auch andere weitreichende soziale und gesellschaftliche Probleme sind mit der Ein-Kind-Politik verbunden. Allerdings wurden hierdurch auch 300-400 Millionen Geburten verhindert. Ohne dies wäre der Lebensstandart der Menschen in China heute sicherlich niedriger.

  • Toilettengeschichten

– In China findet man sehr leicht eine Toilette. In großen Städten gibt es fast alle zweihundert Meter eine und sie sind sauber und kostenlos. Das einzige, was man als störend empfinden kann, ist, dass das benutzte Toilettenpapier in den Mülleimer geschmissen wird, anstatt es für immer in der Schüssel verschwinden zu lassen. Das ist allerdings nicht China-spezifisch, sondern findet sich in vielen Ländern wieder.

– In China ist die türkische Toilette eher üblich als unsere Toiletten., welche man aber auch immer finden kann Die chinesischen Frauen stehen aber lieber lange an, um sich zu hocken, als direkt auf die westlichen Toiletten zu gehen.

  • Sonstiges

– China ist voll von Großstädten. Und in den Städten Chinas herrscht der Smog. Immer ist es nebelig, weshalb viele Chinesen eine (manchmal ausgefallene) Atemmaske tragen. Auf dem Land gibt es zwar weniger Smog, dafür wird aber Müll verbrannt, so dass die Luft stinkt und rauchig ist. Aber zum Glück gibt es das Amt für Wetterkontrolle. Diese ist dafür da es regnen zu lassen, wenn es nötig ist. Einmal in die Wolken „gepikst“ und schon regnet es und der Smog verzieht sich für eine Weile.

freaky masks

– Es gibt viele tausend chinesische Schriftzeichen. Was glaubt ihr, wie schreiben die Chinesen am Computer? Sie nutzen die amerikanische Tastatur und schreiben in Pinying (das vereinfachte Chinesisch mit unseren Buchstaben geschrieben) und der PC wandelt es in chinesische Zeichen um. Somit können nur die Chinesen am Computer arbeiten, die auch die lateinische Schrift beherrschen. Unser Netbook, dass wir in Peking gekauft haben, macht das übrigens auch standardmäßig, und wir müssen immer umschalten.

– In China gibt es lustige Taschenrechner mit Roboterstimme. Sie sagen einem das Ergebnis der letzen Rechnung. Warum wir das wissen? Die Händler nutzen gerne Taschenrechner, um die Preise zu sagen. Es hört sich übrigens ziemlich witzig an, wenn ein sprechender Taschenrechner zu wenig Batterie hat.

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8 Responses to “Anekdoten aus Chinas Alltag”

  1. Im text steht ja drin , wie die menschen in China heutzutage leben und essen … , aber mich würde auch gerne interessieren , wie die menschen früher lebten . Könnte jemand vielleicht eine gute web-site mir senden bzw einen kurze Zusammenfassung dieser geben ?

  2. Bei den Instantnudeln musst du ein bisschen aufpassen. Manche enthalten gesundheitsschädigende Aromastoffe.

    Noch eine Ergänzung zu den Internetkontrollen: Ausländer müssen laut Gesetz auch ihren Ausweis zeigen. Eine neue Regel sieht sogar vor, dass man sich in Bars und Cafe ausweisen muss, wenn man im Wifi surfen will. Das wird nach meiner Erfahrung nach aber nicht wirklich umgesetzt. In den Hotels ist eine Registrierung natürlich nicht nötig, weil ja beim Checkin schon seine Personalien abgibt. Allerdings muss man der Gerechtigkeit halben sagen, dass andere Länder wie Indien genau so krass überwachen.

    • Bjoern sagt:

      Wir konnten manchmal selbst mit Ausweis nicht ins Internet. „Auslaender muessen im Hotel surfen“ War so ungefaehr die Aussage.

      Was Kameras etc. angeht muss ich mitlerweile sagen, habe ich doch deutlich staerker ausgebaute Netze gesehen als China. Australien und Neuseeland zum Beispiel!

    • @Björn
      Mit dem Ausweis müsstest du eigentlich überall ins Netz gehen können. Das Gesetz sieht hier keine Diskriminierung von Ausländern vor. Das waren vielleicht andere Gründe.

      Zum Netz der Kameras muss man sagen, dass viele Kameras mit Gesichtserkennung ausgestattet sind (wir haben dazu was in unserem Blog geschrieben). Wenn das System einmal funktioniert und dazu noch mit einer Vorratsspeicherung verknüpft wird, dann ist eine lückenlose Überwachung jedes Bürgers möglich. Das ist schon krass. In Australien oder Neuseeland gibt es wenigstens Datenschutzgesetze, die eine lückenlose Überwachung erschweren.

    • Bjoern sagt:

      Hi Sven,
      uns ist es in China zweimal passiert, dass wir in einem Internetcafe nicht surfen durften. Einmal in Peking, da gab es eins direkt im Hostel darueber, wo wir hingeschickt wurden. Und einmal in Datong, wo wir keine Alternative hatten, aber man hat auf ein Schild gezeigt, das sagte, man muss einen Ausweis vorzeigen. Aber als wir unseren zeigen wollten hat das nicht gereicht.

      Tatsaechlich, Gesichtserkennung ist wieder eine ganz neue Liga. In Mainz am Bahnhof haben sie vor etwa drei Jahren auch mal so ein System fuer einige Wochen getestet. Mit welcher Begruendung weiss ich aber nicht. Vermutlich auch Sicherheit…

    • Ich lebe nun schon seit etwa drei Jahren in China und hatte nie Probleme – wobei ich natürlich als Nichtreisender nur gelegentlich in Internetcafes gehe. Es ist mir sogar einmal gelungen mit einem gefälschten Studentenausweis online zu gehen… 😉

      Was wurde aus dem Versuch in Mainz? Man muss ja sehen, dass sich China und Deutschland oft sehr viel näher sind, als einem lieb ist.

  3. Jonas Breuer sagt:

    Haha, sehr geiler Artikel, ich musste ein paar Mal laut lachen und fühlte mich an meine Zeit in China zurück erinnert. Man braucht dort echt kein Unterhaltungsprogramm. Es reicht völlig durch die Straßen zu gehen und zu gucken, was die Leute so machen und man kann fast sicher sein, dass jeden Tag irgendwas lustiges passiert. An den Instant-Nudeln habe ich mich allerdings irgendwann mal überfressen und konnte sie nicht mehr sehen 😀

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