Als standardmäßig alternativer Durchschnittsbackpacker sollte man Singapur eigentlich so schnell wie möglich verlassen. Schließlich ist man ja auf der Suche nach Kultur, Freiheit und Authentizität und reist nicht bis nach Asien, um auch hier wieder nur Kommerz zu finden.

Aircon-City Singapur

Tatsächlich macht mir Singapur ein wenig Angst. Es ist wie eine real gewordene Zukunftsvision aus einem Sience-Fiction Roman der 70er Jahre. Alles ist sauber, fast steril. Die Menschen sind schick, gestresst und diszipliniert. Alles scheint anonym und funktional. Und über all dem wacht die Regierung und sorgt sich streng und liebevoll um die Perfektionierung der Perfektion.

Natürlich wird alles genau kontrolliert. Hier nur ein paar Beispiele. Der Besitz (!) von Kaugummis ist strengstens verboten: wir haben Thomas kennen gelernt, Singapur das heisst auch hohe Strafen für fast allesder das nicht wusste. Er geriet bei seiner Ankunft ziemlich mit dem Zollbeamten in Konflikt, als der beim Abtasten Kaugummis gefunden hatte. Thomas dachte der Beamte halte sie für Medikamente und hat sie ihm wieder aus der Hand gerissen und zurück in die Hosentasche gesteckt, woraufhin der Beamte dann völlig ausgerastet ist. Es ist also ein wirklich seriöses Delikt, der Kaugummibesitz.

Auto fahren ist in Singapur nur etwas für die ultrareichen. Man muss zuerst eine der wenigen Lizenzen ersteigern, Kostenpunkt etwa Moderne Wolkenkratzer in Singapur40.000 Euro, je nach Angebot und Nachfrage. Dazu kommen 120% Einführgebühr. Das ist auch der Grund dafür, dass die Straßen Singapurs fast leer und unglaublich ruhig sind. Das Smogproblem der meisten Großstädte wurde in Singapur gelöst. De Facto kostet ein Auto in Singapur also grob dreimal soviel wie bei uns. Als Ausgleich ist das öffentliche Verkehrsnetz supergut und superbillig. Man muss nur daran denken, keine Durian Frucht (groß, stachelig und unbeschreiblich penetrant stinkend) mit in die Metro zu nehmen. Das würde nämlich 500 Singapur-Dollar Strafe kosten. Und wirklich: für jeden noch so kleinen Verstoß gegen das strenge Gesetz gibt es extrem hohe Strafen: rauchen, spucken, urinieren etc., aber atmen ist zum Glück noch umsonst. Ach ja, Todesstrafe durch Erhängen gibt es auch noch (genau, so wie in Lucky Luke, nur ohne Teeren und Federn) falls jemand ein kleines Packet mit weißem Pulver in deinem Gepäck versteckt hat.

Pagode st. - chinesischer Flair im modernen Singapurmerlion-statue, das Wahrzeichen Singapurs

Der Konsum, der Kommerz, das westliche Lebensmodel ist in Singapur fast bis zur Perversion getrieben. Man fühlt sich fast schuldig, wenn man nicht mit einem guten Dutzend Einkaufstaschen rumläuft. Dabei ist es leicht von Shopping-Mall zu Shopping-Mall, von Aircon zu Aircon zu wandern, ohne je den Himmel zu sehen. Man steigt in die klimatisierte Metro und kommt gleich unter der klimatisierten Mall an, ohne in die unangenehme Hitze hinaus zu müssen. Die Bürgersteige draußen sind dafür leer. Alle Singapurer kratzen an den Wolken oder befinden sich unter der Erde. Sie fahren zur Arbeit, essen im klimatisierten Foodcourt, fahren zurück zur Arbeit, um dann intensiv Shopping einer der Malls zu zelebrieren. Davon gibt es in Singapur übrigens über 140 (ja, ich war so verrückt und habe tatsächlich gezählt -> http://www.shopping.sg/about-singapore/singapore-shopping-malls)

Esplanade moderne Shopping-Mall in Singapur

Ich nenne Singapur liebevoll „Aircon-City“. Liebevoll? Ja!

Denn ich habe es auch genossen. Singapur ist nämlich nicht nur das, was man von ihr erwartet. All die gestylten und gehetzten Geschäftsleute bleiben Menschen. Und zu eigentlich jeder Tages- und Nachtzeit findet man diese buntgemischte Masse beim genüsslichen Essen in Foodcourts und Straßenrestaurants. Hier findet man alles (wirklich absolut alles) an kulinarischen Träumen. Und obwohl Singapur verhältnismäßig teuer ist, bleibt das Essen preiswert.

Suntec Mall Foodcourt

Moderne Singapurer beim Essen im Strassenrestaurant

Und direkt neben High-Tech und Wolkenkratzern findet man einen kleinen chinesischen Tempel oder gebrannte Bollywood Musik. Man muss halt manchmal auch noch um die nächste Straßenecke gehen oder durch eine kleine Gasse. Im Schatten vieler Wolkenkratzer versteckt sich irgendetwas Unerwartetes. Die Mischung Singapurs ist großartig. Auch einzigartig. Zur malaiischen Vielfalt kommen hier nämlich noch Ausländer von quasi überall her.

Indischer Sri Mariamman Tempel im Schatten von Wolkenkratzern Kong Meng San Pho See Kark  Monastery - ein chinesischer Tempel

Und Singapur ist kein brüllendes, ermüdendes Moloch. Singapur ist nicht Kuala-Lumpur Singapore Slingund auch nicht Hongkong. Singapurs Straßen sind wirklich unglaublich ruhig. In Singapur kann man sich tatsächlich erholen. Hier kann man futuristische Architektur an der Esplanade genießen, ein Theater in Form einer Durian und vor allem der Hotelkomplex mit Kasino Marina Bay Sands, ein Boot auf drei Wolkenkratzern mit einem Schwimmbad in 191 m Höhe, ist beeindruckend. Der Zoo von Singapur - weisser TigerAuch Kultur ist überall zu finden: Das asian civilisation museum ist sehr schön, das buddha tooth relic temple & museum ist ein modernes Gebäude und soll einen echten Zahn Buddhas beherbergen. Abends kann man kostenlose Konzerte hören oder einen der berühmten Singapore Slings im Raffles Hotel bei stilvoller Livemusik schlürfen. Einen Tag sollte man unbedingt für den Singapurer Zoo einplanen und auch Shopping in der Orchard Road darf nicht fehlen. Für all das muss man mindestens 3 Tage rechnen.

Marina Bay Sands - reale zukunfts Architektur in Singapur

In jedem Fall aber ist Singapur ein Kontrastprogramm. Wenn man direkt aus Europa kommt wirkt es fremd. Wenn man wie wir seit Monaten in Asien war, ist es fürchterlich leise und wenn man hier wohnt hat man Moderne und Tradition Tür an Tür.

Die vier Sprachen Singapurs

In Singapur werden vier Sprachen gesprochen: chinesisch, englisch, malaiisch und indisch. Und es gibt Mischungen! Die Regierung versucht "Singlisch" zu verbieten.

Unsere Unterkunft in Singapur:

Unser Hostel in Singapur: backpackers cozy corner Es war nicht leicht, eine bezahlbare Unterkunft zu finden und da, wir erst um 23:30 Uhr angekommen sind, hatten wir schon im Voraus das Backpackers Cozy Corner für 13 Dollar pro Person reserviert. Unsere Dormbetten befanden sich… im Flur! Es gab also nicht einmal eine Tür. Als ich auf die Dachterrasse wollte, fand ich keinen Garten, sondern weitere Betten. Unter freiem Himmel. Es gibt also schlimmeres, als den Flur. Und rate mal, wo das Wohnzimmer war! In der Toilette… Sie haben den Platz wirklich optimal ausgenutzt, muss man zugeben.

 

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2 Responses to “Aircon-City Singapur”

  1. Bjoern sagt:

    Hi Jana,
    vielen Dank, dass Du uns weiterhin die Treue hältst, auch wenn wir leider im Moment etwas mehr mit dem „normalen“ Leben beschäftigt sind und weniger dazu kommen von unseren Weltreise Erfahrungen zu schreiben, als uns lieb ist.
    Mit Singapur ist es eigentlich genauso wie mit Hanoi oder Mainz oder sonstwo auf unserem Planeten: es gibt immer was zu entdecken 😉
    In diesem Sinne, ich geh‘ mal Lyon weiter entdecken :-)

  2. Jana sagt:

    Ein spannender Reisebericht! Dass das Kaugummikauen in Singapur verboten ist wusste ich ja, aber der Besitz? Krass! Auch wenn die Stadt nicht unbedingt zu eines meiner Traumreisezielen zählt, will ich das ganze doch mal mit eigenen Augen sehen…
    Liebe Grüße, Jana

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