Im Bann des Vulkans Bromo, Indonesien

Wenn es eine Sache in Indonesien gibt, die mir auf die Nerven geht, dann sind das die schier endlosen Fahrten mit dem Minibus. Obwohl es keinen Stau gibt und man sicher mit 60 km/h über die gewundenen Straßen holpert, zieht sich eine Überlandfahrt auf Java – Indonesien – immer extrem in die Länge. Die Fahrt von Yogyakarta, der Studenten- und Künstlerstadt bis zum Vulkan Bromo ist so ein Beispiel. Zwischen den beiden Punkten liegen gerade einmal 380 km Landstraße und selbst ohne die 3,5 Stunden Verspätung wäre es ein Monstertrip gewesen. So waren wir geschlagene 14 Stunden unterwegs und unser Tag entwickelte sich zu einer nicht enden wollenden Geduldsprobe, die wir gegen Mitternacht endlich bestanden hatten. Auch wenn es rechnerisch unmöglich scheint, ist es wirklich so geschehen. Wie, warum und wo die Zeit dann geblieben ist bleibt ein Mysterium Indonesiens.

Pferdeführer, um zum Aussichtspunkt zu gelangen

Jedenfalls haben wir, also Sonia, Maria und ich, es uns gegen 00:30 Uhr im eisigen Zimmer auf 2300 m Höhe gemütlich gemacht, um gleich darauf, Punkt 3:30 Uhr um genau zu sein, wieder geweckt zu werden. Maria hatte sich zu allem Überfluss auch noch erkältet. Es stand uns ein anstrengender und, soviel kann schon verraten werden, absolut unvergesslicher Vormittag bevor. Der Vulkan Bromo war gerade einmal fünf Monate vor unserem Besuch, am 23 Januar 2011, zum letzten Mal ausgebrochen und er ist der aktivste Vulkan Javas.

Doch zunächst mussten wir noch etwas leiden. Als würde die Folter der vergangenen 24 Stunden nicht genügen, wurden wir von unserem Jeep gefühlte 200m entfernt vom Hotel entfernt abgesetzt, um den restlichen Weg bis zum Gipfel des Mt Penan Jakan in tiefster Nacht zu Fuß zurückzulegen. Man kann sich wohl vorstellen, dass wir nicht gerade in Bestform waren. Und doch hielten wir den verlockenden Angeboten der Pferdehalter stand und marschierten tapfer bis nach ganz oben. Dafür wollten wir dann aber auch etwas Besonderes geboten bekommen. Zunächst war es aber noch zu dunkel, um überhaupt etwas zu sehen und so harrten wir aus, zusammen mit den anderen Touristen, den Sonnenaufgang herbeisehnend. Dabei hielten wir die ganze Zeit unsere Fotoapparate in den Fingern, um ja nicht den ersten Sonnenstrahl zu verpassen.

Maria und Björn vor dem Szenario des Vulkans Bromo

Als es dann schließlich so weit war, als sich die Sonne über den Horizont kämpfte, als die Nacht sich schlussendlich dem Tage geschlagen gab, fühlte ich mich fast wie in Trance. Müdigkeit, Höhenluft, Kälte, das lange Warten, aber vor allem der Ausblick betäubten fast meine Sinne. Der Bromo selber war nicht zu sehen, aber sein Rauch beherrschte das Panorama. Er lag über den anderen Gipfeln der Kette, wie ein stetiger, bedrohlicher Wächter. Zwischen uns und dem Vulkan lag ein von Nebel bedecktes Tal und mit jedem Grad, den die Sonne aufstieg, wärmte sie unsere kalten Gesichter und der Nebel löste sich nach und nach auf. Es ist schwer zu beschreiben, was unter dem Nebel zum Vorschein kam.

Sonnenaufgang über Bromo dem VulkanAschewolke des Vulkans Bromo

Je klarer die Konturen wurden, desto unsicherer war ich, ob ich wachte oder träumte. Die Landschaft glich der einer Star Wars Episode. Die erste Eruption des Bromo, die wir wahrnahmen, klang wie das morgendliche Magengrummeln eines fernen Riesen.

Sicht über die surreale Mondlandschaft im Tal des Bromo

Nachdem wir alle genug Fotos gemacht hatten, wurden wir aus der Szenerie hinaus und hinunter ins Tal geführt. In Geländewagen fuhren wir eine steinige, vollgeaschte Piste hinunter. Als wir dann unter dem Nebel hindurch tauchten, trauten wir unseren Augen nicht. Star Wars und Kino war Vergangenheit. Wir waren nun direkt im geschehen gelandet. Wir waren auf dem Mond. Das Bild, das sich uns bot, als unser Jeep den tiefen, ausgefahrenen Spuren im Staub folgte, durch das komplett mit Vulkanasche verschneiten Tal hindurch, ist einfach unbeschreiblich. In der Mitte des Tals dann der Beweis, dass wir halluzinierten. Der Guide hielt an einer verrückten, futuristischen Raumstation und lies uns aussteigen.

Hindu Tempel Pura Luhur Poten gleicht einer Raumstation 2

Angeblich soll es sich um den Hindu-Tempel Pura Luhur Poten handeln. Wir befanden uns nun genau am Fuße des Mount Bromo. Hatten wir bisher Respekt vor einem der aktivsten Vulkane der Erde gehabt, so war dieser mittlerweile einer tiefen Ehrfurcht gewichen. Wenn wir den Guide richtig verstanden, sollten wir den Pfaden und Stufen folgen und den Krater besteigen. Abgesehen davon, dass wir zu tiefst eingeschüchtert waren, hatten wir einfach auch keine Kraft mehr. Und so ließen sich Sonia und Maria nun doch von Pferden bis zu den Stufen hinauf bringen.

Maria am Fusse des Vulkans BromoUnser Weg durch Ascheberge zum krater

Ein Ritt, wie in einem Traum, durch eine Landschaft, die surrealer nicht sein konnte. Uns umgaben Berge aus grauem Puderzucker und unser Weg führte durch Klippen aus Kakao.

Die Vulkanasche gleicht Watte oder Kakao

Die Ponys suchten vorsichtig nach festem Tritt und brachten uns langsam aber sicher bis hinauf zu einer Treppe, die wie in den feinen Staub gemeißelt erschien.

Die letzten stufen hinauf zum Kraterrand

Die Stufen legten wir dann zu Fuß zurück. Es war unfassbar, aber man durfte tatsächlich bis hinauf zum Gipfel steigen. Kein Touristenführer kam hier her und am Kraterrand gab es keinerlei Sicherheitsvorrichtungen.

Maria zum Fallen nah am Kraterrand

Der Krater klaffte vor uns und ein falscher Schritt, ein Zentimeter zu weit in Richtung Vulkan würde den sicheren Tod bedeuten. Der Puderstaub, Maria in einer Wolke von Vulkanascheder den steilen Trichter des Kraters bedeckte, bot keinen Halt und in seinem Zentrum, vergiss das nicht, herrscht ein stetiges bedrohliches Grollen jederzeit bereit dich für immer zu verschlingen. Von Zeit zu Zeit wird das Grollen zu einem Brüllen und Massen an Staub, Rauch und Asche ziehen gen Himmel, wo sie solange hängen, bis die nächste Eruption nachascht.

Blick vom Kraterrand in den Schlund des Vulkans Bromo 2Blick vom Kraterrand in den Schlund des Vulkans Bromo 3

Die Gefahr ist etwas Faszinierendes und hier am Rand des Bromo waren wir ihr so nah wie vielleicht nie zuvor auf unserer Reise. Sie besaß eine ungeheure Anziehungskraft; je länger wir verweilten, desto nähern wollten wir an den Rand heran, noch ein letztes, besseres Foto vom Vulkan machen. Wir alle waren wie hypnotisiert und fast bereit, uns in den Schlund des Ungeheuers zu stürzen, um ihm ein Opfer zu bringen, diesem mächtigen Naturspektakel.

Praktische Infos:

Zu allererst: wählt eure Agentur gut! Was wir erlebten war grauenhaft und das es besser laufen kann zeigen andere Berichte. Wir hatten die Exkursion zum Vulkan Bromo von Yogya gebucht und nach unserem oben beschriebenen Abenteuer gab es ein extrem bescheidenes Frühstück, bevor es so weiterging: Minibus -> Agentur (lange Wartezeit) -> Minibus -> Restaurant -> Boot -> Minibus -> Ankunft in Denpasar (Bali). Mit einem Taxi ging es dann ins wunderschöne Ubud, wo wir einige Schwierigkeiten hatten ein Guesthouse zu finden (es war mittlerweile 23h). Wir haben also am ersten Tag 14 Stunden Fahrt gehabt, den Bromo gesehen und am zweiten Tag erneut 13 Stunden Fahrt. Ein ermüdendes Programm, aber ehrlich, der Bromo war es dennoch wert. Viele Agenturen in Yogyakarta bieten diese Tour an. Also lasst euch in keinem Fall von den Stundenlangen Autofahrten abschrecken. Die Tour hat uns 380 000 Rupiah (27 Euro) plus 20 000 Rupiah (1,50 Euro pro Person) für den kleinen Aufstieg mit Pferd gekostet. Zu guter Letzt: vergesst bloß nicht den Fotoapparat. Wir sind keine Profifotographen, aber die Fotos vom Mt Bromo sind einmalig und haben einen besonderen Platz in unserem Fotobuch von Cewe Print. Eine wunderbare Erinnerung mit kleinen Texten um die Fotos herum durch die Du dich blättern kannst, wenn das Fernweh mal wieder zu stark wird.




Java – von Jakarta bis Jogjakarta

Einreise nach Indonesien

Schon die Einreise nach Indonesien war etwas anders. Zum einen ist es etwas komplizierter als sonst in Asien, zum anderen sind Grenzüberquerungen per Boot eher selten. Mit unserem frisch beantragten indonesischen Visum kamen wir also per Fähre in Tarakan (Borneo, Indonesien) an. Tarakan ist eine der Städte Asiens, die noch nicht viele europäische Touristen gesehen haben. So hat sich hier auch noch kein touristen(un)freundliches, englischsprachiges Empfangskomitee von Taxi-Fahrern und Hotel-Schleppern installiert. Wir waren also endlich mal wieder nur auf uns selber gestellt, fast ein kleines Abenteuer.

Das Zimmer, das wir letztlich gefunden hatten war dann auch, der Atmosphäre der Stadt entsprechend, dreckig und herunterkommen und das Essen konnte nicht mehr als satt machen. Zum Glück haben wir am Flughafen von Tarakan, beinahe zum Internetpreis  (790.000 Ringgit pro Person), einen Lion-Air-Flug für den nächsten Tag nach Jakarta bekommen, wo wir uns mit Marias Schwester Sonia getroffen haben.

Jakarta

Thailands Bangkok, Malaysias Kuala Lumpur oder Indiens Mumbai werden immer wieder gerne als Moloch bezeichnet. Aber alle diese Städte haben schöne Ecken und Orte, die es sich zu erkunden lohnt. In Jakarta habe ich nichts dergleichen gefunden. Ich habe eigentlich nur zwei Bilder im Kopf, wenn ich an Jakarta denke, hässlich graue, halb zerfallene Gebäude und endlose Reihen von indonesischen Batik Stoffen in Shopping Malls. Es gibt keine andere Stadt in Asien, von der wir so wenige Fotos gemacht haben.

Eindruck aus Jakarta - IndonesienBatik Stoffe in indonesischer Mall in Jakarta

Mein Zimmerbewohner hat Jakarta allerdings anders erlebt. Nachts. Zum Feiern gibt es seiner Meinung nach keine bessere Stadt und es gibt Clubs, in denen am Wochenende drei Tage lang ohne Unterbrechung getanzt wird. Sonntagmorgens, nach dem Frühstück, hatten wir kurz überlegt hinzugehen, uns dann aber doch entschieden weiter nach einem hübschen Fleck zu suchen. So blieb uns Party-Jakarta unbekannt.

Jogjakarta

Alles was Jakarta an Charme fehlt, hat Jogjakarta abbekommen, könnte man meinen. Allein schon, dass die Stadt einen Spitznamen, „Jogja“, trägt, macht sie sympathisch. Und da hört es lange nicht auf.

Jogjakarta StreetartIndonesischer Maler in Jogjakarta

Kunst in JogjakartaLustige Kunst in Indonesien

Die, in warmen Orangetönen gestrichenen, Häuser bilden kleine Sträßchen die in verwinkelte Gassen übergehen. Wer sich in dem Wirrwarr nicht verlieren mag, kann seine Unterkunft für Jogjakarta im Voraus mit Holidaycheck buchen. Das Viertel, indem sich viele der Guesthouses finden, erscheint wie ein gewachsenes Labyrinth lebendiger Kunst.Überall finden sich Wandzeichnungen und kreative Kunst in all seinen Formen. Auch die Besucher werden eingeladen kreativ zu werden. In Koch- oder Batik-Kursen bekommt man indonesische Kultur zum Anfassen. Wir haben eine Silberklasse besucht und unsere eigenen Silberringe geschmiedet.

Silberkurs in Jogjakarta

Auf der Straße und in Cafés sprechen oder singen einen alle möglichen bunten Vögel aus alten Holzkäfigen an. In einer unwahrscheinlich unbefangenen Art verbindet Jogja einen mit den Menschen, die hier leben. Ich habe mich selten in Asien so dazugehörig gefühlt wie hier. Wenn man so durch die Straßen schlendert, könnte man den Eindruck bekommen, als hätte man hier gerade sein Auslandssemester begonnen. Tatsächlich ist Jogjakarta mit über 100.000 Studenten das Bildungszentrum Indonesiens und so versprüht es eine unglaublich junge Dynamik. Jogja hat mich zu jedem Zeitpunkt heiter gemacht. Selbst die aufdringlichen Verkäufer hier sind freundlich-aufdringlich. Zum Beispiel hat uns ein Kunst-Galerie-Schlepper an Sonias Geburtstag dreißig Minuten lang mit heiteren Anekdoten animiert, bevor er uns zu einem Tee in seiner Galerie eingeladen hat. Dass wir nichts gekauft haben, hat ihn am Ende auch nicht wirklich gestört. Jogja ist wie Cocktail am Strand, hier gibt es nur den Moment und nichts anderes zählt wirklich. Jogja ist wie ein Kaminfeuer im Winter, angenehm warm und einladend und man mag einfach gerne da sein. Jogja ist der Augenblick. Jogja inspiriert.

Vogelkäefige indonesischer Künstlerstadt

Ach ja, um Jogjakarta herum gibt es auch noch Tourismus zu machen, auch wenn die Must-See’s der Umgebung nicht einmal im Entferntesten mit Jogja mithalten können. Borobudur gehört selbstverständlich zum Pflichtprogramm. Der immense erst 1983 wieder eröffnete Tempel-Komplex ist seit 1991 Weltkulturerbe. Was soll ich sagen? Borobudur verdient seinen Status und sein Ansehen. Es ist beeindruckend, großartig und faszinierend.

Mit ausgeliehenen Röcken auf BorodudurIndonesische Schüler quf Exkursion

Borobudur in Java, IndonesienSicht über Java von Borodudur

Mit öffentlichen Verkehrsmitteln braucht man immerhin 2 Stunden pro Weg. Gleichzeitig wie wir waren dutzende Schulklassen dort. Obwohl wir nur 30 Minuten wirklich vor Ort und daher etwas gestresst waren, konnten wir uns den lächenlnden Schülern nicht verwehren alle mussten paar Minuten für eine Ihrer Kameras posieren. Wir beeindruckten mit unseren unfreiwillig ausgeliehenen Röcken offensichtlich mehr, als irgendsoein Tempel.

2010 wurde Borobudur übrigens von dem nahen Vulkan Merapi während eines Ausbruchs mit Asche bedeckt, wovon man heute aber nichts mehr bemerkt.

Vulkan Merpai - gefährliche Schönheit

Der Merapi allerdings, gut von Jogjakarta zu erreichen, lässt jederzeit erahnen, mit welcher Macht er im Oktober und November 2010 ausgebrochen ist. Der mit Vulkanschlamm gefüllte Fluss, verbrannte Baumreste und zentimeterhohe Ascheschichten, als wäre der Ausbruch erst gerade gewesen, machen klar, in welcher Gefahr die Menschen um den Vulkan herum leben. Es ist erstaunlich wie Menschen so nah an einer Todbringenden Naturgewalt leben können. Der Merapi gilt als einer der gefährlichsten Vulkane der Welt und bricht im Schnitt alle 10 bis 15 Jahre aus. Aber lass einfach die Bilder auf dich wirken. Und wer es noch etwas zerstoererischer mag, sollte sich den beeindruckenden Bericht über den Vulkan Montserrat von Martin Wos anschauen. Fahrt zum Vulkan Merapi - Indonesien

Achtung gefâhrlicher VulkanVerbrannte Bäume bei Merapi auf Java

Vom Vulkan Merapi zerstörtes Haus

Merapi - geschmolzener CD-PlayerVerbrannter Koran in Indonesien

Weniger todbringend, weil nicht in der Nähe einer Stadt, aber dafür umso beeindruckender und rund um die Uhr aktiv wird unser nächstes Ziel: der Vulkan Bromo.