Bali

Bali. Was hat diese Insel so besonders? Warum kennt jeder den Namen Bali und wie kommt es, dass dennoch viele nicht wissen in welchem Land es sich eigentlich befindet?

Vielleicht liegt es daran, dass Bali so ganz und gar anders ist als der Rest von Indonesien. Man fühlt sich hier wie in einer anderen Welt und manchmal gar wie in einer anderen Zeit.

Wir haben die große Insel Java und einen seiner zahlreichen Vulkane, den Bromo, hinter uns gelassen und uns der Touristenattraktion Nr. 1 von Indonesien zugewendet: Bali.

Nach 13 Stunden Fahrt sind wir spät abends, gegen 23 Uhr, erschöpft im kulturellen Herzen Balis, der Stadt Ubud, angekommen und hatten so unsere Schwierigkeiten ein Zimmer für die Nacht zu finden. Die Agus Pension hat uns dann doch noch freundlich aufgenommen und wir haben uns ein Zimmer mit Rückentöter-Betten zu dritt geteilt.

Bali - Statuen mit Blumen in den Ohren

Mit dem aufstehen, dem ersten Sonnenstrahl und dem Frühstück in unserer Pension konnten wir spüren, dass Ubud uns gefallen würde. So haben wir auch keine Zeit verloren und gleich die kleine Stadt erkundet. Ubud ist ohne Zweifel eine der schönsten Städte Asiens und vielleicht gar der Welt! Ubud beeindruckt nicht mit grandiosen Monumenten oder wunderschönen Straße und Gassen, sondern es ist das Gesamtbild der Stadt das uns komplett in seinen Bann gezogen hat. Jedes einzelne Haus, egal ob Restaurant, Guesthouse, Boutique oder Wohnhaus ist ein kleines Wunder. Eine mit Statuen verzierte von Detailreichtum kaum zu überbietende Fassade lädt zum Eintreten ein.

Bali - Ubud - TheaterBalinesischer Tempel

Im Inneren entdeckt man dann nach und nach eine Architektur die einem Tempel oder Palast in Miniaturform ähnelt. Überall gibt es kleine Innenhöfe, deren üppig grüne Pflanzen und farbenfrohe, formenreiche Blüten ihn in einen paradiesischen Garten verwandeln. Irgendwo plätschert in jedem Innenhof ein Brunnen, welcher die im Wasser treibenden Frangipani Blütenblätter zum Tanzen bringt und eine unbeschreibliche Ruhe verbreitet.

Frangipani Blüten in einem balinesischen BrunnenBalinesische Fresken

Die balinesische Kunst, mit welcher die Statuen angefertigt werden, findet man nur und einzig auf Bali. Viele Elemente erinnern an den Hinduismus, aber Ubud gleicht doch keiner Stadt Indiens. Balinesische Künstler legen extremen Wert auf die Erhaltung der bestehenden Formen, so dass sich viele Bilder und Figuren in jedem Gebäude wiederfinden lassen können. Doch sind die Figuren, Skulpturen und Statuen Balis so vielfältig und die Arbeiten so außergewöhnlich detailliert, dass einem garantiert nie langweilig werden wird und man sich niemals sattsehen kann.

Nach einem kurzen Spaziergang im Monkey Forest, einem von dreisten Affen bewohnten, sehr schönen tropischen Park am Rande Ubuds, wollten wir den balinesischen Tanz kennen lernen.

Monkey Forest dreister AffeEin Affe auf der Affenstatue in Ubud

In Ubud gibt es einige Theater, in denen man ein solches Schauspiel bewundern kann. Der balinesische Tanz ist ein theatralischer, ausdrucksstarker Tanz der von wiederkehrenden zum Teil fast schrillen Tönen von Schlaginstrumenten und Flöten begleitet wird. Was am meisten beeindruckt sind die Augen der Tänzerinnen. Sie fixieren dich die ganze Zeit mit übertrieben weit aufgerissenen Augen. Eine nur schwer zu beschreibende Vorstellung.

Balinesische Tänzerin

Am nächsten Tag haben wir uns ein Auto samt Fahrer gemietet, um die Umgebung von Ubud zu erkunden. Tempel Gunung Kawi auf BaliBali ist eine Vulkaninsel und ihr Boden daher besonders fruchtbar, was zusammen mit den heißen Temperaturen und dem Wasserreichtum perfekte Bedingungen bietet, um Reis anzubauen. Nach all der Zeit in Asien hatten wir uns den Besuch der Reisfelder für unseren letzten Abschnitt aufgehoben. Wir sind unter anderem durch den Tempel Gunung Kawi geschlendert, welcher umgeben ist von Reis und Dschungel, und haben die großartigen und Fotogenen Reisterrassen von Tegallalang bewundert.

Reisterasse bei Ubud - Bali

Man sollte sich auch einige Tage für das ausgedehnte Durchschlendern Ubuds nehmen, um seinen ganzen Reichtum kennenzulernen. Man findet einen schönen Markt mit einer unglaublichen Auswahl an Früchten und kunsthandwerklichen Souvenirs, Kunstgalerien, günstige Massagestudios, unzählige gemütliche Restaurants etc.

Udubs local maketKunstgallerie in Ubud

Bali hat seine ganz eigene Religion. Man findet in Ubud überall kleine geflochtene Körbe mit Opfergaben: Blüten, Früchte, Reis und Raucherstäbchen. Vor quasi jedem Haus, Balinesinen beim Galungan Festivaljeder Tür und selbst auf Motorrädern gibt es solch ein Körbchen. Eine Balinesin hat uns erzählt, dass sie jeden Tag dutzende solche Körbe flechten, was meist den ganzen Morgen in Anspruch nimmt. Sie legt die Opferkörbchen vor alles, was ihr wichtig ist, selbst vor den Computer, die balinesische Version eines Antivirus Programms. Indonesien ist das größte muslimische Land der Welt, aber Bali hat seinen eigenen Religionscocktail beibehalten:Hmm... Lecker Muffins eine Mischung aus Hinduismus, Animismus und Buddhismus. Wir hatten das Glück zur Zeit des Galungan Festivals in Bali gewesen zu sein. Die Balinesen feiern an diesem Tag die Erschaffung des Universums und die Opfergaben werden an diesem Tag vervielfacht und aufgemotzt. Es war nicht einfach, all den süßen Leckereien, die man auf dem Straßenboden, in den Händen und Münden von Statuen oder auf Motorradsesseln findet, zu widerstehen, aber wir waren brav, ganz ehrlich. Am Tag des Galungan Festivals machen sich die Balinesen schick, das heißt, sie ziehen ihren besten Sarongs an und ihre schönsten Flip-Flops. Und das gilt für Frauen und Männer, uns eingeschlossen. Um in die Tempel gehen zu dürfen haben Maria, ihre Schwester und ich uns extra einen Sarong gekauft, doch wir konnten definitiv nicht mit den wunderschönen Balinesinnen mithalten, mit den Blumen in ihren seidenweichen Haaren.

Sarongs für das Galungan Festival in UbudOpferkörbchen auf Motorad in Bali

Opfergaben zum Galungan Festival

Nach diesem intensiven Kulturbad wurde es für uns Zeit, uns den balinesischen Stränden zu widmen. Wir mussten wählen zwischen den schwarzen Sandstränden im Norden Balis, die weitgehend für ihre bezaubernden Landschaften und ihre Abgeschiedenheit beliebt sind, und den von Australiern überlaufenen weißen Sandstränden im Süden Balis. Hm… Yin oder Yang? Warum haben wir uns nochmal für den Süden entschieden??? Jedenfalls hieß unser nächster Stopp auf Bali: Kuta.

Von Ubud nach Kuta zu kommen ist kinderleicht. Jede der unzähligen Reiseagenturen bietet die Strecke an; die Strecke, d.h. die eine Strecke! Denn Bali ist nicht gerade mit einer perfekten Infrastruktur gesegnet und die Straßen sind so voll, dass selbst eine kurze Strecke eine Ewigkeit dauert. Und in Kuta selbst ist es nicht besser. Es gibt schlicht zu viele Touristen. Wir hatten ein echtes Problem damit, eine Unterkunft zu bekommen und mussten in unterschiedlichen Hotels schlafen. Auch der endlose Strand ist von Touris übersaht, der eine Teil mit Sonnenbrand, der anderer gerade erst angekommen. Der Strand ist eher grau als weiß, dass Wasser nicht wirklich Türkis, nur der Sonnenuntergang war tatsächlich atemberaubend.

Kuta Beach

Also warum, um alles in der Welt, sind all die Australier in Kuta, obwohl sie in ihrem eigenen Land einige der schönsten Strände überhaupt haben? Nach eigenen Recherchen konnten wir drei Hauptgründe finden: Magic Mushrooms in Kuta1. Die Kosten. Es gibt von Australien nach Indonesien jede Menge günstige Flüge (billiger als viele Inlandsflüge in Aussiland) und der Alkohol auf Bali kostet im Vergleich nichts. 2. Der Rausch. Alkohol darf auf Bali, im Gegensatz zu vielen Städten Australiens, auf offener Straße und am Strand getrunken werden und es gibt andere Substanzen… Wie kommen eigentlich diese Magic Mushrooms an den Strand? 3. Björn und sein SurfbrettDas Meer. Vor allem die Nordaustralier können von Ihren endlosen, menschenleeren Sandstränden quasi nicht profitieren: Salzwasserkrokodile, Haie und der schlimmste Feind aller Strandfreunde: die tödliche Würfelqualle. All das macht Schwimmen und Surfen an so manchen Stränden Australiens zu einer heldenhaften Mutprobe und Bali zu einem Traumziel.

Wo wir gerade vom Surfen reden, die Preise für Surfkurse in Kuta sind schwer zu unterbieten. Ich habe für einen 2,5-stündigen Einzelkurs inklusive Ausrüstung ganze 9 Euro bezahlt. Während ich schon nach einigen Versuchen auf dem Brett stehen konnte, hat Maria von der Ruhe profitiert und sich in der Sonne gebadet.

Surfen auf Bali2

Auf der Suche nach etwas romantischeren Stränden, haben wir uns am Abend erneut nach einem Fahrer umgeschaut, um die Küste zu erkunden. Keine Ahnung an welcher Magie das liegen könnte, aber alle Angestellten der Reiseagenturen von Kuta wirken übertrieben gut drauf. 😉

Jedenfalls wurden wir am kommenden Tag von unserem Fahrer abgeholt und haben neben der höllisch überlasteten Infrastruktur Balis die Strände Dreamland und Padang Padang kennen gelernt. Hier haben wir uns etwas mehr Zeit gelassen, die Sonne genossen, in den Wellen getobt und die erfahrenen Surfer beim Surfen bewundert. 1000 Mal besser als Kuta! Danach hat uns unser Fahrer zum Ulu Watu Tempel gebracht, wo wir eine Show sehen sollten (wir hatten wirklich keine Lust auf eine Touri-Show und dieser Zwischenstopp war nicht abgesprochen). Das wir uns geweigert haben und statt dessen lieber den Sonnenuntergang an der Steilküste genießen wollten, passte dem Fahrer nicht wirklich und die Stimmung war etwas angespannt. Zum Abschluss gab es dann aber noch einen tollen Bonus. Wir wurden am Jimbaran Strand abgesetzt, wo sich ein Fischrestaurant neben dem anderen befindet. Touristen und Einheimische profitieren hier gleichermaßen von fangfrischem Fisch aller Formen und Größen. Der Barrakuda war eine wahre Offenbarung! In der Zeit hat der Fahrer geduldig auf uns gewartet, um uns im Anschluss zurück nach Kuta zu bringen. Preis für Auto inklusive Fahrer vom frühen Nachmittag bis zum späten Abend: 13,50 Euro! Preis wie in Asien üblich verhandelt.

Dreamland beachPadang Padang Strand bei Kuta - Bali

Bali ist auch ein guter Ausgangspunkt für ein Bootsfahrt nach Gili: diese wundervolle kleine Insel ohne Autos und ohne Polizei, auf welcher Maria und ich uns verlobt haben. Ein Must-Do Indonesiens. 😉

Gili - eine Trauminsel Indonesiens

Ansonsten hätten wir gerne noch mehr von den 13.466 Inseln Indonesiens profitiert. Klar ist es unmöglich alle zu sehen, aber zumindest Komodo mit seinen berüchtigten Waranen, den Dschungel Lombok, den wir nur kurz auf dem Weg zwischen Bali und Gili bewundern konnten und die Orang Utans von Sumatra hätten wir sehr gerne noch erlebt.

Bali - Ein Festmahl zum Abschied von Asien

Unsere Letzten Tage haben wir dann wieder in Ubud verbracht, haben von den himmlischen Asiatischen Gerichten profitiert, letzte Asien-Souvenirs gekauft und unser nächstes großes Abenteuer vorbereitet: der Sprung auf einen neuen Kontinent. Auf nach Down Under, auf nach Australien.




Im Bann des Vulkans Bromo, Indonesien

Wenn es eine Sache in Indonesien gibt, die mir auf die Nerven geht, dann sind das die schier endlosen Fahrten mit dem Minibus. Obwohl es keinen Stau gibt und man sicher mit 60 km/h über die gewundenen Straßen holpert, zieht sich eine Überlandfahrt auf Java – Indonesien – immer extrem in die Länge. Die Fahrt von Yogyakarta, der Studenten- und Künstlerstadt bis zum Vulkan Bromo ist so ein Beispiel. Zwischen den beiden Punkten liegen gerade einmal 380 km Landstraße und selbst ohne die 3,5 Stunden Verspätung wäre es ein Monstertrip gewesen. So waren wir geschlagene 14 Stunden unterwegs und unser Tag entwickelte sich zu einer nicht enden wollenden Geduldsprobe, die wir gegen Mitternacht endlich bestanden hatten. Auch wenn es rechnerisch unmöglich scheint, ist es wirklich so geschehen. Wie, warum und wo die Zeit dann geblieben ist bleibt ein Mysterium Indonesiens.

Pferdeführer, um zum Aussichtspunkt zu gelangen

Jedenfalls haben wir, also Sonia, Maria und ich, es uns gegen 00:30 Uhr im eisigen Zimmer auf 2300 m Höhe gemütlich gemacht, um gleich darauf, Punkt 3:30 Uhr um genau zu sein, wieder geweckt zu werden. Maria hatte sich zu allem Überfluss auch noch erkältet. Es stand uns ein anstrengender und, soviel kann schon verraten werden, absolut unvergesslicher Vormittag bevor. Der Vulkan Bromo war gerade einmal fünf Monate vor unserem Besuch, am 23 Januar 2011, zum letzten Mal ausgebrochen und er ist der aktivste Vulkan Javas.

Doch zunächst mussten wir noch etwas leiden. Als würde die Folter der vergangenen 24 Stunden nicht genügen, wurden wir von unserem Jeep gefühlte 200m entfernt vom Hotel entfernt abgesetzt, um den restlichen Weg bis zum Gipfel des Mt Penan Jakan in tiefster Nacht zu Fuß zurückzulegen. Man kann sich wohl vorstellen, dass wir nicht gerade in Bestform waren. Und doch hielten wir den verlockenden Angeboten der Pferdehalter stand und marschierten tapfer bis nach ganz oben. Dafür wollten wir dann aber auch etwas Besonderes geboten bekommen. Zunächst war es aber noch zu dunkel, um überhaupt etwas zu sehen und so harrten wir aus, zusammen mit den anderen Touristen, den Sonnenaufgang herbeisehnend. Dabei hielten wir die ganze Zeit unsere Fotoapparate in den Fingern, um ja nicht den ersten Sonnenstrahl zu verpassen.

Maria und Björn vor dem Szenario des Vulkans Bromo

Als es dann schließlich so weit war, als sich die Sonne über den Horizont kämpfte, als die Nacht sich schlussendlich dem Tage geschlagen gab, fühlte ich mich fast wie in Trance. Müdigkeit, Höhenluft, Kälte, das lange Warten, aber vor allem der Ausblick betäubten fast meine Sinne. Der Bromo selber war nicht zu sehen, aber sein Rauch beherrschte das Panorama. Er lag über den anderen Gipfeln der Kette, wie ein stetiger, bedrohlicher Wächter. Zwischen uns und dem Vulkan lag ein von Nebel bedecktes Tal und mit jedem Grad, den die Sonne aufstieg, wärmte sie unsere kalten Gesichter und der Nebel löste sich nach und nach auf. Es ist schwer zu beschreiben, was unter dem Nebel zum Vorschein kam.

Sonnenaufgang über Bromo dem VulkanAschewolke des Vulkans Bromo

Je klarer die Konturen wurden, desto unsicherer war ich, ob ich wachte oder träumte. Die Landschaft glich der einer Star Wars Episode. Die erste Eruption des Bromo, die wir wahrnahmen, klang wie das morgendliche Magengrummeln eines fernen Riesen.

Sicht über die surreale Mondlandschaft im Tal des Bromo

Nachdem wir alle genug Fotos gemacht hatten, wurden wir aus der Szenerie hinaus und hinunter ins Tal geführt. In Geländewagen fuhren wir eine steinige, vollgeaschte Piste hinunter. Als wir dann unter dem Nebel hindurch tauchten, trauten wir unseren Augen nicht. Star Wars und Kino war Vergangenheit. Wir waren nun direkt im geschehen gelandet. Wir waren auf dem Mond. Das Bild, das sich uns bot, als unser Jeep den tiefen, ausgefahrenen Spuren im Staub folgte, durch das komplett mit Vulkanasche verschneiten Tal hindurch, ist einfach unbeschreiblich. In der Mitte des Tals dann der Beweis, dass wir halluzinierten. Der Guide hielt an einer verrückten, futuristischen Raumstation und lies uns aussteigen.

Hindu Tempel Pura Luhur Poten gleicht einer Raumstation 2

Angeblich soll es sich um den Hindu-Tempel Pura Luhur Poten handeln. Wir befanden uns nun genau am Fuße des Mount Bromo. Hatten wir bisher Respekt vor einem der aktivsten Vulkane der Erde gehabt, so war dieser mittlerweile einer tiefen Ehrfurcht gewichen. Wenn wir den Guide richtig verstanden, sollten wir den Pfaden und Stufen folgen und den Krater besteigen. Abgesehen davon, dass wir zu tiefst eingeschüchtert waren, hatten wir einfach auch keine Kraft mehr. Und so ließen sich Sonia und Maria nun doch von Pferden bis zu den Stufen hinauf bringen.

Maria am Fusse des Vulkans BromoUnser Weg durch Ascheberge zum krater

Ein Ritt, wie in einem Traum, durch eine Landschaft, die surrealer nicht sein konnte. Uns umgaben Berge aus grauem Puderzucker und unser Weg führte durch Klippen aus Kakao.

Die Vulkanasche gleicht Watte oder Kakao

Die Ponys suchten vorsichtig nach festem Tritt und brachten uns langsam aber sicher bis hinauf zu einer Treppe, die wie in den feinen Staub gemeißelt erschien.

Die letzten stufen hinauf zum Kraterrand

Die Stufen legten wir dann zu Fuß zurück. Es war unfassbar, aber man durfte tatsächlich bis hinauf zum Gipfel steigen. Kein Touristenführer kam hier her und am Kraterrand gab es keinerlei Sicherheitsvorrichtungen.

Maria zum Fallen nah am Kraterrand

Der Krater klaffte vor uns und ein falscher Schritt, ein Zentimeter zu weit in Richtung Vulkan würde den sicheren Tod bedeuten. Der Puderstaub, Maria in einer Wolke von Vulkanascheder den steilen Trichter des Kraters bedeckte, bot keinen Halt und in seinem Zentrum, vergiss das nicht, herrscht ein stetiges bedrohliches Grollen jederzeit bereit dich für immer zu verschlingen. Von Zeit zu Zeit wird das Grollen zu einem Brüllen und Massen an Staub, Rauch und Asche ziehen gen Himmel, wo sie solange hängen, bis die nächste Eruption nachascht.

Blick vom Kraterrand in den Schlund des Vulkans Bromo 2Blick vom Kraterrand in den Schlund des Vulkans Bromo 3

Die Gefahr ist etwas Faszinierendes und hier am Rand des Bromo waren wir ihr so nah wie vielleicht nie zuvor auf unserer Reise. Sie besaß eine ungeheure Anziehungskraft; je länger wir verweilten, desto nähern wollten wir an den Rand heran, noch ein letztes, besseres Foto vom Vulkan machen. Wir alle waren wie hypnotisiert und fast bereit, uns in den Schlund des Ungeheuers zu stürzen, um ihm ein Opfer zu bringen, diesem mächtigen Naturspektakel.

Praktische Infos:

Zu allererst: wählt eure Agentur gut! Was wir erlebten war grauenhaft und das es besser laufen kann zeigen andere Berichte. Wir hatten die Exkursion zum Vulkan Bromo von Yogya gebucht und nach unserem oben beschriebenen Abenteuer gab es ein extrem bescheidenes Frühstück, bevor es so weiterging: Minibus -> Agentur (lange Wartezeit) -> Minibus -> Restaurant -> Boot -> Minibus -> Ankunft in Denpasar (Bali). Mit einem Taxi ging es dann ins wunderschöne Ubud, wo wir einige Schwierigkeiten hatten ein Guesthouse zu finden (es war mittlerweile 23h). Wir haben also am ersten Tag 14 Stunden Fahrt gehabt, den Bromo gesehen und am zweiten Tag erneut 13 Stunden Fahrt. Ein ermüdendes Programm, aber ehrlich, der Bromo war es dennoch wert. Viele Agenturen in Yogyakarta bieten diese Tour an. Also lasst euch in keinem Fall von den Stundenlangen Autofahrten abschrecken. Die Tour hat uns 380 000 Rupiah (27 Euro) plus 20 000 Rupiah (1,50 Euro pro Person) für den kleinen Aufstieg mit Pferd gekostet. Zu guter Letzt: vergesst bloß nicht den Fotoapparat. Wir sind keine Profifotographen, aber die Fotos vom Mt Bromo sind einmalig und haben einen besonderen Platz in unserem Fotobuch von Cewe Print. Eine wunderbare Erinnerung mit kleinen Texten um die Fotos herum durch die Du dich blättern kannst, wenn das Fernweh mal wieder zu stark wird.




Java – von Jakarta bis Jogjakarta

Einreise nach Indonesien

Schon die Einreise nach Indonesien war etwas anders. Zum einen ist es etwas komplizierter als sonst in Asien, zum anderen sind Grenzüberquerungen per Boot eher selten. Mit unserem frisch beantragten indonesischen Visum kamen wir also per Fähre in Tarakan (Borneo, Indonesien) an. Tarakan ist eine der Städte Asiens, die noch nicht viele europäische Touristen gesehen haben. So hat sich hier auch noch kein touristen(un)freundliches, englischsprachiges Empfangskomitee von Taxi-Fahrern und Hotel-Schleppern installiert. Wir waren also endlich mal wieder nur auf uns selber gestellt, fast ein kleines Abenteuer.

Das Zimmer, das wir letztlich gefunden hatten war dann auch, der Atmosphäre der Stadt entsprechend, dreckig und herunterkommen und das Essen konnte nicht mehr als satt machen. Zum Glück haben wir am Flughafen von Tarakan, beinahe zum Internetpreis  (790.000 Ringgit pro Person), einen Lion-Air-Flug für den nächsten Tag nach Jakarta bekommen, wo wir uns mit Marias Schwester Sonia getroffen haben.

Jakarta

Thailands Bangkok, Malaysias Kuala Lumpur oder Indiens Mumbai werden immer wieder gerne als Moloch bezeichnet. Aber alle diese Städte haben schöne Ecken und Orte, die es sich zu erkunden lohnt. In Jakarta habe ich nichts dergleichen gefunden. Ich habe eigentlich nur zwei Bilder im Kopf, wenn ich an Jakarta denke, hässlich graue, halb zerfallene Gebäude und endlose Reihen von indonesischen Batik Stoffen in Shopping Malls. Es gibt keine andere Stadt in Asien, von der wir so wenige Fotos gemacht haben.

Eindruck aus Jakarta - IndonesienBatik Stoffe in indonesischer Mall in Jakarta

Mein Zimmerbewohner hat Jakarta allerdings anders erlebt. Nachts. Zum Feiern gibt es seiner Meinung nach keine bessere Stadt und es gibt Clubs, in denen am Wochenende drei Tage lang ohne Unterbrechung getanzt wird. Sonntagmorgens, nach dem Frühstück, hatten wir kurz überlegt hinzugehen, uns dann aber doch entschieden weiter nach einem hübschen Fleck zu suchen. So blieb uns Party-Jakarta unbekannt.

Jogjakarta

Alles was Jakarta an Charme fehlt, hat Jogjakarta abbekommen, könnte man meinen. Allein schon, dass die Stadt einen Spitznamen, „Jogja“, trägt, macht sie sympathisch. Und da hört es lange nicht auf.

Jogjakarta StreetartIndonesischer Maler in Jogjakarta

Kunst in JogjakartaLustige Kunst in Indonesien

Die, in warmen Orangetönen gestrichenen, Häuser bilden kleine Sträßchen die in verwinkelte Gassen übergehen. Wer sich in dem Wirrwarr nicht verlieren mag, kann seine Unterkunft für Jogjakarta im Voraus mit Holidaycheck buchen. Das Viertel, indem sich viele der Guesthouses finden, erscheint wie ein gewachsenes Labyrinth lebendiger Kunst.Überall finden sich Wandzeichnungen und kreative Kunst in all seinen Formen. Auch die Besucher werden eingeladen kreativ zu werden. In Koch- oder Batik-Kursen bekommt man indonesische Kultur zum Anfassen. Wir haben eine Silberklasse besucht und unsere eigenen Silberringe geschmiedet.

Silberkurs in Jogjakarta

Auf der Straße und in Cafés sprechen oder singen einen alle möglichen bunten Vögel aus alten Holzkäfigen an. In einer unwahrscheinlich unbefangenen Art verbindet Jogja einen mit den Menschen, die hier leben. Ich habe mich selten in Asien so dazugehörig gefühlt wie hier. Wenn man so durch die Straßen schlendert, könnte man den Eindruck bekommen, als hätte man hier gerade sein Auslandssemester begonnen. Tatsächlich ist Jogjakarta mit über 100.000 Studenten das Bildungszentrum Indonesiens und so versprüht es eine unglaublich junge Dynamik. Jogja hat mich zu jedem Zeitpunkt heiter gemacht. Selbst die aufdringlichen Verkäufer hier sind freundlich-aufdringlich. Zum Beispiel hat uns ein Kunst-Galerie-Schlepper an Sonias Geburtstag dreißig Minuten lang mit heiteren Anekdoten animiert, bevor er uns zu einem Tee in seiner Galerie eingeladen hat. Dass wir nichts gekauft haben, hat ihn am Ende auch nicht wirklich gestört. Jogja ist wie Cocktail am Strand, hier gibt es nur den Moment und nichts anderes zählt wirklich. Jogja ist wie ein Kaminfeuer im Winter, angenehm warm und einladend und man mag einfach gerne da sein. Jogja ist der Augenblick. Jogja inspiriert.

Vogelkäefige indonesischer Künstlerstadt

Ach ja, um Jogjakarta herum gibt es auch noch Tourismus zu machen, auch wenn die Must-See’s der Umgebung nicht einmal im Entferntesten mit Jogja mithalten können. Borobudur gehört selbstverständlich zum Pflichtprogramm. Der immense erst 1983 wieder eröffnete Tempel-Komplex ist seit 1991 Weltkulturerbe. Was soll ich sagen? Borobudur verdient seinen Status und sein Ansehen. Es ist beeindruckend, großartig und faszinierend.

Mit ausgeliehenen Röcken auf BorodudurIndonesische Schüler quf Exkursion

Borobudur in Java, IndonesienSicht über Java von Borodudur

Mit öffentlichen Verkehrsmitteln braucht man immerhin 2 Stunden pro Weg. Gleichzeitig wie wir waren dutzende Schulklassen dort. Obwohl wir nur 30 Minuten wirklich vor Ort und daher etwas gestresst waren, konnten wir uns den lächenlnden Schülern nicht verwehren alle mussten paar Minuten für eine Ihrer Kameras posieren. Wir beeindruckten mit unseren unfreiwillig ausgeliehenen Röcken offensichtlich mehr, als irgendsoein Tempel.

2010 wurde Borobudur übrigens von dem nahen Vulkan Merapi während eines Ausbruchs mit Asche bedeckt, wovon man heute aber nichts mehr bemerkt.

Vulkan Merpai - gefährliche Schönheit

Der Merapi allerdings, gut von Jogjakarta zu erreichen, lässt jederzeit erahnen, mit welcher Macht er im Oktober und November 2010 ausgebrochen ist. Der mit Vulkanschlamm gefüllte Fluss, verbrannte Baumreste und zentimeterhohe Ascheschichten, als wäre der Ausbruch erst gerade gewesen, machen klar, in welcher Gefahr die Menschen um den Vulkan herum leben. Es ist erstaunlich wie Menschen so nah an einer Todbringenden Naturgewalt leben können. Der Merapi gilt als einer der gefährlichsten Vulkane der Welt und bricht im Schnitt alle 10 bis 15 Jahre aus. Aber lass einfach die Bilder auf dich wirken. Und wer es noch etwas zerstoererischer mag, sollte sich den beeindruckenden Bericht über den Vulkan Montserrat von Martin Wos anschauen. Fahrt zum Vulkan Merapi - Indonesien

Achtung gefâhrlicher VulkanVerbrannte Bäume bei Merapi auf Java

Vom Vulkan Merapi zerstörtes Haus

Merapi - geschmolzener CD-PlayerVerbrannter Koran in Indonesien

Weniger todbringend, weil nicht in der Nähe einer Stadt, aber dafür umso beeindruckender und rund um die Uhr aktiv wird unser nächstes Ziel: der Vulkan Bromo.